Aus dem Dornröschenschlaf erwacht

Aus dem Dornröschenschlaf erwacht

Schweizer-Chalet

Das „Schweizer Chalet“ Ecke Lorettostraße / Mercystraße / Bergleweg ist im Herbst aus seinem Dornröschenschlaf erwacht: der verwilderte Garten ist verschwunden, stattdessen öffnet sich nach Osten eine wunderbare gestufte Gartenanlage, die das Anwesen in altem Glanz erstrahlen lässt.

Schweizerhäuser wurden ab Ende des 18. Jahrhunderts in ganz Europa gebaut, der Holzbaustil mit ornamentalen Schnitzarbeiten war Ausdruck der romantischen Naturverbundenheit – eine Mythologisierung des Lebens der einfachen Bergbauern, der bauliche Ausdruck von Rousseaus „Zurück zur Natur“. Zu den bekannten Architekten, die im „Schweizer Stil“ bauten, gehörte auch Karl Friedrich Schinkel, der für die Pfaueninsel ein Schweizerhaus entworfen hatte.

Das Haus in der Lorettostraße wurde vom Architekten und Bauunternehmer Friedrich Gerteis errichtet, dessen Bauhof seinerzeit um die vorletzte Jahrhundertwende gegenüber im Gebäudekomplex „Schlierburg“ lag.

Das „Chalet Wittmer“, wie es auch genannt wird, hatte der Architekt M. Vohl für die Oberrheinische Gewerbeausstellung 1887 entworfen – ein vergleichbares Haus ist in Günterstal die Villa Dr. Berns. Das Haus stand zunächst ohne massiven Unterbau am Schlossberg in der Nähe des Stadtparks und wurde einige Jahre später an den heutigen Platz verlegt. Die Außenwände bestehen aus einer gespundeten Bohlenverkleidung, der Hohlraum zwischen dieser und der inneren Holzwand ist durch gestellte Backsteine ausgemauert. Die reiche Holzverkleidung im Treppenhaus, im ersten Stock und im ehemaligen Schlafzimmer ist als gestemmte Holzarbeit mit Gesimsen, gerahmten Feldern und anderen Ornamenten ausgeführt. Decken und Wände sollten bewusst in Naturfarbe belassen werden.

Die bizarre Bauornamentik, die an Hexenhäuschen erinnert, ließ Anfang der 1980er Jahre die Städtischen Bühnen „Hexenspaziergänge“ über den Lorettoberg veranstalten, die just dort mit einer Geschichte über das Chalet als uraltes Hexenhäuschen begannen.

Als das Wiehre Journal in seiner Nr. 1 von Ende 2006 über das Haus schrieb, empörte sich ein anonymer Leserbriefschreiber, man solle dieses verkommene Haus lieber abfackeln. – Man kann die engagierten Eigentümer zu ihren Sanierungsarbeiten nur beglückwünschen.

Johannes Korthaus und Klaus Winkler