Buchempfehlung: Julia Rothenburg: Koslik ist krank

Buchempfehlung
Julia Rothenburg: Koslik ist krank

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„Das Krankenhaus passt nicht zu Freiburg. In Freiburg ist alles milde Geschäftigkeit, irgendwie behäbig. Anders als hier im Krankenhaus, wo es nur stickig ist, ummantelt von dieser erdrückenden Stille.“

René Koslik, Mitte vierzig und alleinstehend, wird mit den Symptomen eines Schlaganfalls aus seinem Alltag als Lehrer an der Volkshochschule Freiburg jäh herauskatapultiert und muss sich in „diese abgeschiedene Zweitversion der Stadt“ begeben. Er, dem schon außerhalb der Klinik das Leben einfach so passiert, erlebt den Klinikbetrieb mit seinen labyrinth-artigen Gängen, mit der undurchschaubaren Choreographie von Ärzten und Pflegern und den endlos langen Wartezeiten zwischen den einzelnen Untersuchungen als Eintauchen in eine Parallelwelt, in die nur manche ein- und austreten können.

Der Krankenhausnovize begegnet erfahreneren Mitpatienten, die sich auf die eine oder andere Weise arrangiert haben oder ihrem Aufenthalt gar einen besonderen Sinn andichten. Als Koslik in einem Patienten einen ehemaligen Kommilitonen und ewigen Rivalen erkennt und in dessen Besucherin seine ehemals große Liebe, droht sein bisher immer gut verschnürtes Leben seine Ordnung zu verlieren.

Und als ob dies noch nicht genug sei, wird Koslik noch von seiner Familie, die er sich sonst auf kräfteraubende Distanz hält, realiter wie auch durch nicht länger mehr zu verdrängende Erinnerungen eingeholt.

In dem Roman gelingt es der Autorin, das wachsende Gefühl der Bedrohung des Protagonisten, welches durch das plötzliche Versagen seines eigenen Körpers ausgelöst wurde, durch eine skurrile, mikroskopisch genaue Art der Wahrnehmung desselben zu beschreiben. Die stille kalte Atmosphäre, in der das Pflegepersonal wie ein gut funktionierendes Roboterteam ihr Pflegeprogramm abspult, überträgt sich und lässt den Leser das Ausgeliefertsein eines Patienten in einem weitgehend anonymen Klinikbetrieb hautnah miterleben.

Julia Rothenburg wurde 1990 in Berlin geboren. Sie studierte Soziologie und Politikwissenschaft, zuerst in Freiburg, dann in Berlin. Für Ihr Romanmanuskript „Koslik ist krank“ erhielt sie den Retzhof-Preis für junge Literatur. Die Autorin war  Stipendiatin der Schreibwerkstatt der Jürgen-Ponto-Stiftung. Ihr Debütroman „Koslik ist krank“ ist Anfang September 2017 in der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen und in der Buchhandlung Schwarz, Günterstalstraße, vorrätig.
Loretta Lorenz