Die neuen Nachbarn dürfen wieder tagsüber essen

Die neuen Nachbarn dürfen wieder tagsüber essen

Meist versuche ich an dieser Stelle von einer größeren Aktion zu berichten. Geht dieses Mal kaum. Stattdessen werde ich versuchen, ein bisschen vom Alltag im Flüchtlingsheim zu vermitteln.

Dieses Wochenende ist der Ramadan endlich vorbei. Viel Mittagsschlaf, etwas mehr Nachtaktion als sonst. So schien das Gelände tagsüber etwas verwaist, nur die Kinder, die bis zum Alter von etwa 12 nicht fasten brauchen, ließen sich sehen. Gegessen wurde dann nach 21:30 Uhr reichlich und dann noch einmal vor Sonnenaufgang – also zwischen 3 und 4 Uhr morgens. Nicht alle, so scheint es, haben dazwischen schlafen können.

Zu dem wöchentlichen Nähkurs (mittwochs, 18 bis 21 Uhr) kommen regelmäßig um die drei oder vier Frauen, weniger regelmäßig etwa vier Mädchen und einige Jungen. Kissen und Sportsäcke werden genäht, Nähmaschinen gehen regelmäßig kaputt, werden aber sogleich wieder instandgesetzt. Wir entwickeln uns inzwischen zu einer gemütlichen kleinen Community. Wollen Sie mitmachen? Melden Sie sich!

Am Samstag, den 15. Juli um 17 Uhr gibt es ein Sommerfest von den Helfern und für die Helfer auf dem Gelände. Wir sind vom Prinzip ausgegangen, wenn sich keiner der Heimbewohner zum Organisationskomitee meldet, dann sind die Bewohner eben eingeladen; aber die eigentlichen Veranstalter sind dann wir. Das erleichtert die Arbeit, auch wenn es (noch) nicht zur wachsenden Autonomie der Bewohner beiträgt.
Das Begegnungscafé jeden zweiten Samstag findet nach wie vor statt. Meist kommen die Kinder, manchmal auch Erwachsene. Zusammen mit anderen regelmäßigen Teilnehmern am Café habe ich um Pfingsten an einer ‚Intervision‘ teilgenommen, wo man kooperativ und professionell unterstützt übers eigene Verhalten in Krisensituationen nachdenkt. Sehr hilfreich.

Insgesamt werden wir professioneller. Gerade letzte Woche haben wir die ersten persönlichen ‚Ordner‘ zusammengestellt. Für jeden Geflüchteten bzw. für jeden Haushalt kommt dadurch ein Ordner zustande, in welchem allerhand Schriftzeug – Erlaubnisse, Zeugnisse, Verträge, Protokolle von Anhörungen beim BAMF – einigermaßen geordnet angesammelt werden kann, damit nicht bei jedem zweiten Behördengang das vorhersehbare „Ja, so was hatte ich doch, ich weiß nur nicht wo ich es abgeheftet habe“ geschieht.

Das Sommerloch droht. Sehr geholfen haben in der Pfingstpause die Stadtpiraten, die Kleinen und die Nicht-Mehr-Ganz-So-Kleinen bei Laune zu halten. Wer das in den Sommerferien macht, steht noch nicht fest. Aber ich bin sicher, es meldet sich jemand. Haben Sie Ideen oder Kontakte? Schreiben Sie mir bitte!

Peter Davison fi.schlierberg@gmail.com