Ein Zwischenbericht: Wiehre für Alle

Ein Zwischenbericht: Wiehre für Alle

Bereits seit Jahren ist die Absicht der Baugenossenschaft Familienheim Freiburg e.G. bekannt, die Häuser Nr. 1 – 9 in der Quäkerstraße abzureißen und durch Neubauten zu ersetzen. Angeblich sei die heutige Bausubstanz so schlecht, dass eine Sanierung im Bestand nicht möglich ist.

Das Vorhaben wurde dem Gestaltungsbeirat vorgestellt, der es ablehnte und auf die Schönheit, die Stimmigkeit des Ensembles, die Identität des Quartiers und die negativen Beispiele mangelnder Identität in der Nachbarschaft hinwies. Abgelehnt hat der Gestaltungsbeirat auch die gleichzeitig geplante Nachverdichtung im Innenhof des Quartiers.

Der Freiburger Gemeinderat hat daraufhin am 27.11.2018 laut Drucksache G 18/146 die Verwaltung beauftragt, die Voraussetzungen für eine soziale Erhaltungsatzung zu prüfen.

Als Reaktion darauf hat der Vorstand der Familienheim e.G. die Planung gestoppt und will zunächst das Ergebnis der Prüfung abwarten.

Ob sich das Instrument der sozialen Erhaltungssatzung in diesem Fall eignet, um eine städtebaulich und sozial unerwünschte Entwicklung zu verhindern, hängt von den konkreten Absichten der Genossenschaft, sowie den anzutreffenden baulichen und sozialen Verhältnissen und den zu erwartenden Auswirkungen des geplanten Vorhabens ab.

Erklärtes Ziel des Gemeinderates ist es, einem Veränderungsdruck entgegen zu wirken, der steigende Mieten und damit Verdrängung der ansässigen Mieter zur Folge haben könnte.

Bemerkenswert aus der Sicht des Bürgervereins Mittel- und Unterwiehre, der für das Areal genau genommen nicht zuständig ist, denn die Quäkerstraße ist die Grenze zur Oberwiehre, sind die folgenden Punkte:

  • Die Geschlossenheit des Gemeinderates, der die o.g. Drucksache einstimmig beschlossen hat,
  • die eindeutige Haltung des als neutral geltenden Gestaltungsbeirates,
  • die Aufmerksamkeit der Stadtverwaltung, denn der Oberbürgermeister hat bereits zwei Mal mit dem Vorstand der Familienheim gesprochen und
  • die Wirkung auf den Vorstand der Genossenschaft, der in seinem Schreiben vom 30.01.2019 an die Mieter*innen bekundet, dass er an dem Ergebnis der in die Wege geleiteten Untersuchungen interessiert ist, um für die Zukunft Planungssicherheit zu bekommen.

Mehr kann man unter den gegebenen Umständen zurzeit nicht erwarten, denn eine Genossenschaft hat mit Sicherheit von ihren Mitgliedern den Auftrag, ihren Wohnungsbestand nachhaltig zu betreiben, wozu Renovierungen im Sinne zeitgemäßen Wohnens zu rechnen sind.

Die Mieter*innen haben natürlich das Interesse am Bestand des Mietverhältnisses zu günstigen Bedingungen. Dies hat die Initiative „Wiehre für Alle“ klar artikuliert und damit auf den bestehenden Handlungsbedarf aufmerksam gemacht. Der Gemeinderat und der Oberbürgermeister haben den Ball aufgefangen und sind am Zuge.

Die Wiehre soll nach dem Stadtteil Waldsee das zweite Gebiet sein, das durch die Steuerung mittels Erhaltungsatzung vor übertriebenen Veränderungen zu schützen ist, um den Charme unseres Quartiers und die ausgewogene Zusammensetzung der Bevölkerung zu erhalten.

Jürgen Bolder