Energetische Sanierung durch neue Heizung – ein Erfahrungsbericht

Der alte Gasbrenner war inzwischen fast 25 Jahre alt, störanfällig und wenig effizient. Es stellte sich die Frage: was nun?

Ein Energieberater wurde befragt, er gab einige Empfehlungen, welche Möglichkeiten infrage kämen, unter anderem wurde uns die Möglichkeit eines Blockheizkraftwerks (BHKW) vorgeschlagen. Eine genauere Wirtschaftlichkeitsberechnung eines Stuttgarter Experten (Steinborn) nannte zwei konkrete BHKWs, die neben den ökologischen Gesichtspunkten auch ökonomisch wirtschaftlich sein sollten. Als Faustformel gelten die Werte für ein Wohnhaus: Gasverbrauch grösser 45.000 kWh pro Jahr und elektrischer Strombedarf grösser 8.000 kWh, so dass das BHKW etwas mehr als 4.000 Betriebsstunden pro Jahr läuft. Also auf zur Getec-Messe für Gebäudesanierung in Freiburg, um sich umzuschauen. Verschiedene Betriebe in Freiburg bieten solche Geräte inklusive Installation und Wartung an. Allerdings kam von ihnen trotz teils intensiver Bestandsaufname vor Ort kein Angebot. Warum? Ich weiß es nicht.

Schließlich die Entscheidung für ein BHKW, welches vom Beratungsinstitut empfohlen worden war. Den Ausschlag gab ein Besuch bei dem für unser Gebiet zuständigen zertifizierten Ingenieursbetrieb, bei dem ich ein Gerät in Aktion sehen konnte: kompakt, nicht viel grösser als eine Waschmaschine, gut gedämmt und relativ geräuscharm, sowie variable einstellbare Leistung von 2 bis max. 4 kWh elektrische und 12 kWh Wärme-Leistung. So ist es möglich, die Stromproduktion dem Verbrauch im Haus anzupassen und nur wenig ins Netz einzuspeisen, weil dies nur mickrig vergütet wird.

Eine komplette Neuinstallation der Heizungsversorgung und Stromversorgung im Haus bedeutet: Neben dem BHKW eine Zusatztherme zur Wärmeversorgung, falls das BHKW nicht genügend Leistung bringt (was im Winter 2012/13 auch gleich bitter nötig war), neue angepasste Abgasführung im Kamin inklusive Schalldämpfer (weil der Motor ohne diesen wie ein Hubschrauber über dem Dach tönte), zudem ein 1.000 Lit er Wärmespeicher als Puffer und die für all das nötigen Leitungen, Messinstrumente und Anschlüsse an die vorhandenen Wasser- , Gas- und Stromleitungen – eine Investition von ca. 30.000 Euro, wenn man die Zuschüsse z.B. der KfW und die steuerlichen Vorteile ( Umsatzsteuerrückvergütung) berücksichtigt.

Zudem wurde auch gleich ein hydraulischer Druckabgleich durchgeführt (mit Zuschuss von der Stadt Freiburg). Die vorhandenen Heizkörperventile wurden so eingestellt, dass die Wärme optimal in die einzelnen Heizkörper fließen kann. Der im Haus verbrauchte Strom wird vom BHKW produziert und – wenn nicht ausreichend – aus dem Netz bezogen. Der nicht selbst verbrauchte Strom wird ins Netz eingespeist, weshalb man einen Zweirichtungs-Zähler von der Badenova braucht. Zudem wird für jede Mietwohnung im Haus ein Unterzähler installiert, um den individuellen Verbrauch bestimmen zu können. Drei Mann waren eine Woche damit beschäftigt, das alles sehr ordentlich und aufgeräumt anzubringen. Soweit der „einfachere“ Teil für mich als Kunde und Anwender.

Nun, für den wirtschaftlichen Betrieb des BHKW wurde es kompliziert, weil sehr viele unübersichtliche und aus verschiedenen Ministerien kommende Vorschriften zu beachten sind, wenn man Eigenstrom kostengünstig in seinem Mietshaus nutzen will: es musste eine Eigenstrom-GbR als eigenständige Firma gegründet werden, die die Strom-Eigenversorgung im Hause gewährleistet; hierzu braucht man unbedingt die Unterstützung.

Dennoch: Die Investition und Mühe lohnt sich. Man hat mehr Sicherheit, der Entwicklung der Strompreise relativ gelassen zuschauen zu können, und das gute Gewissen, einen konkreten Beitrag für eine saubere Umwelt geleistet zu haben.
Fred Jessen