Gewässer und Siedlungsraum: Der Hölderlebach

Gewässer und Siedlungsraum: Der Hölderlebach

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In Günterstal heißt er Bohrerbach und in Haslach Dorfbach, dann wird er zum Dietenbach und am Ende ist er die Alte Dreisam und fließt bei Riegel in den Leopoldskanal: Unser Hölderlebach in der Wiehre.

Die Nebengewässer der Dreisam prägen unsere Landschaft und ihre Siedlungsräume in ganz besonderem Maße: Am Grunde der Täler ziehen Sie Ihre Linie und sind die wasserwirtschaftliche Vorflut für den oberflächlichen Abfluss der Niederschläge. Im Konzert der Strukturen spielen die Wasserläufe eine dominante Rolle, denn das Wasser bewegt sich in seinem Bett nur von der Schwerkraft getrieben. Das Zusammenspiel von Geologie, Gefälle und Wassermenge formt das Bett und die Linienführung in charakteristischer Weise, so dass jedes Gewässer seine typische Form erhält: Soweit der Mensch nicht eingreift!

Wenn aber der Mensch die Gewässer in seine Siedlungen integriert, werden die Spielräume des Wassers meistens so weit eingeengt, dass Hochwässer zu Schäden an Infrastruktur und Bebauung führen, weil sich das Wasser nicht mehr ungehindert verhalten kann; d.h. der Wasserlauf möchte sich entsprechend der zugenommenen Abflussmenge ausdehnen und tritt folglich über seine künstlichen Ufer.

So kam es auch, als sich Freiburg im 19. Jahrhundert nach Süden ausdehnte und die Straßen und Häuser der Unterwiehre entstanden. Als dann die Höllentalbahn ihre heutige Trasse bekam, wurde der Hölderlebach sogar aus der Tal-Linie an die westliche Talseite verlegt und erhielt auf langer Strecke ein künstliches Bett.

Wie wir durch viele Hochwässer in den letzten Jahren wissen, ist dieses Bett nur begrenzt aufnahmefähig. Anlieger und Autofahrer sind die Leidtragenden, wenn es wie in den Jahren 1991, 1997 und 2006 zu Überschwemmungen kommt.

So war es daher folgerichtig, dass 2008 für ergiebige Niederschläge Retentionsräume an der Wonnhalde angelegt wurden, um das Überschwemmungsrisiko zu mindern.

Wie sicher die Wiehre vor Überschwemmungen geschützt werden kann, hängt von der Größe der Hochwasserrückhalteräume ab. Mit den derzeit durch die Stadt in Horben und an der Wonnhalde (BA II) geplanten weiteren Maßnahmen soll es für die Wiehre sowie Günterstal und in der Folge auch Haslach ausreichend Schutz vor dem so genannten hundertjährigen Hochwasser geben.

Die noch bestehenden Freiräume, wie die Wiesen vor Günterstal und die Wonnhalde-Kleingartenanlge müssen als natürliche Retentionsflächen unbedingt erhalten bleiben. Es wäre ein fataler Fehler, wenn dem Hölderlebach hier wieder sein natürliches Überschwemmungsgebiet genommen würde.

Jürgen Bolder