Handel und Wandel: Die Zukunft des Bahnwärterhäuschens oder: man bekommt nichts umsonst

Handel und Wandel
Die Zukunft des Bahnwärterhäuschens oder:
man bekommt nichts umsonst

Umsonst oder geschenkt bekommt man im Leben nichts. Spätestens im Internetzeitalter sollte jedem klar sein – hinter jedem „kostenlos“ steckt ein Handel. Dies dürfte auch für die Schenkung eines Kindergartens in der Lorettostraße gelten. Die Pläne überraschen und werfen viele Fragen auf.

Plötzlich ging alles ganz schnell. Am 24. Oktober erhielt der Bürgerverein, der sich wie hier bereits mehrfach berichtet, um eine Nutzung des Bahnwärterhäuschens bemüht hatte, schriftlich von Bürgermeister Otto Neideck die Nachricht, dass die Volker-Homann-Stiftung der Stadt auf dem Gelände einen integrativen Kindergarten mit Kita zu stiften gedenkt. Zu diesem Zeitpunkt war der Autor bereits durch die Presse informiert. Das Projekt
war in der Dezernentenrunde besprochen und dem Vernehmen nach „durchgewunken“.

Nun freut es den Bürger und auch den Bürgerverein immer, wenn mit städtischer Liegenschaft vernünftig und zukunftsweisend umgegangen wird. Und ja, ein integrativer Kindergarten in der Wiehre ist ein Projekt, zu dem kein Vernünftiger „nein“ sagen kann. So auch der Bürgerverein. Auch, dass eine Stiftung hier unzweifelhaft „Gutes“ beabsichtigt, wird keiner in Abrede stellen können, es sei denn, er will sich selbst aus dem Spiel nehmen, das man hier als „Gemeinwohl-Zwickmühle“ beschreiben kann: Jeder Zug ein Fehler.

Die Gemeinwohl-Zwickmühle –warum sucht man sowas?
Die Frage nach des Pudels Kern: Wollen wir eine solche Zwickmühle? Warum bewegt man sich da freiwillig hinein? Warum an diesem Ort das Engagement einer Stiftung, deren  nahestehendes Unternehmen, die Treubau AG, selber maßgeblicher Player in einem ganz anderen Spiel, dem der „Freiburger Stadtentwicklung“ (s. Reinhold-Schneider-Villa etc.) ist? Cui bono?

Sicher: Das Grundstück nebst denkmalgeschütztem Häuschen braucht eine Zukunft. Bislang wurde diese langfristig eher in der Lorettoschule gesehen, deren Erweiterung auch zur Debatte steht. Nun soll aber, Verzeihung, zu Lasten der Schule ein Kindergarten entwickelt werden! Warum? Was wird aus den Entwicklungsplänen der Schule? Warum wurde, wie der Badischen Zeitung zu entnehmen war, die Schulverwaltung nicht informiert? Was wird aus dem stark frequentierten öffentlichen Spielplatz in der Goethestraße?

Transparente Planung – Bürgerverein fordert runden Tisch
Mehr noch: wird die Stadt, die zumindest gegenüber dem Bürgerverein stets betont hat, die Grundstücke immer als Einheit im städtischen Eigentum halten zu wollen, nun Flurstücke an eine private die Stiftung abgeben? Wenn ja, warum? Erbpacht? Wird es eine Rückfallklausel zu Gunsten der Stadt geben?

All diese Fragen stellen sich nicht nur  der Bürgerverein, sondern auch Elternvertreter, Anwohner, Bürger und auch Teile der Verwaltung. Bei aller „Freude“: eine transparente und klare Planung vermag niemand zu erkennen, der sich seit Längerem mit den Planungen und Diskussionen im Bereich Mercystraße bis Bahnwärterhäuschen beschäftigt.

Diese Fragen zeigen auch – der Kindergarten hat jetzt schon seinen Preis. Wir brauchen daher eine offene und transparente Diskussion über das Angebot der Stiftung, die Entwicklung der Lorettoschule und den Umgang mit städtischem Grund.

Der Bürgerverein fordert daher einen „Runden Tisch“ an dem die Planung zumindest im Bereich Schule und Kindergarten besprochen wird.

In jedem Fall ist hier der Gemeinderat gefordert, Licht in die Sache zu bringen: Geschenkt? Immer  gerne – aber wir sollten nicht Entwicklungslinien auf städtischem Grund verschenken. Denn: Umsonst ist Nichts.

Justus Kampp