Mein Freund der Baum: Beeindruckende Solitäre in der Wiehre

NEUE SERIE: Die Wiehre im Erleben der Anderen
Mein Freund der Baum: Beeindruckende Solitäre in der Wiehre

Diesmal möchten wir Sie zu einem kleinen Spaziergang einladen, bei dem das Augenmerk speziell auf die Baumbestände entlang einiger Straßen in unserem Viertel und hier v.a. auf ganz besondere Bäume gerichtet ist. Als Solitärbäume bezeichnet man im Garten- und Landschaftsbau solche, die entweder freistehen und allein durch sich selbst wirken, oder solche, die sich von den umstehenden Pflanzen optisch stark unterscheiden.

Beginnen wir an der Johanneskirche und laufen zunächst Richtung Günterstal. Rechts der Straße stehen in lockerem Abstand Ginkgo-Bäume, die aufgrund ihrer Widerstandskraft gegen Schädlingsbefall, Autoabgase und Streusalz weltweit gern als Stadtbäume angepflanzt werden. Soweit also noch nichts Besonderes, doch wird bei Anpflanzung, zumindest in Europa, möglichst versucht, vornehmlich männliche Pflanzen zu setzen, da Früchte der weiblichen Bäume unangenehm nach Buttersäure riechen. Wer im Herbst mit offener Nase durch die Günterstalstraße geht, bemerkt schnell, dass diese Selektion hier nicht erfolgt ist oder fehlerhaft war. Möglicher Grund dafür mag sein, dass man den jungen Ginkgo-Pflanzen erst nach etwa 20 Jahren ansieht ob sie männlich oder weiblich sind.

Angeschmiegt an das Haus Nr. 28 in der Günterstalstraße findet sich auch schon unser erster Solitär: Eine Italienische Schwarzpappel, die, mittlerweile sehr eingeengt und für ihre Spezies ungewöhnlich standhaft, ihrer urbanen Umgebung und dem benachbarten Neubau trotzt.

Pappeln gelten heute aufgrund ihrer teilweise mangelnden Bruchsicherheit als eher nicht geeignet für den Gebrauch als Straßenbegleitgrün – sie wurde wohl auch zu einer Zeit gepflanzt als man Straßenbegleitgrün noch als Allee bezeichnete und Automobile Seltenheitswert hatten.

Was wäre unser Viertel ohne die Existenz des „deutschen“ Baumes schlechthin, der stolzen Eiche? Ein besonders schönes, knorriges Exemplar davon steht an der Ecke
Günterstalstraße/Maximilianstraße. Lehnen wir uns kurz an ihn und stellen uns vor, wie der junge Baum vor ca. 250 Jahren noch in einer gänzlich ländlichen Umgebung wuchs. Vielleicht mögen Sie auch ein wenig fantasieren, was sich unter seinem schützenden Laubdach über die Zeit schon alles abgespielt haben mag?

Weiter geht es durch die mit prachtvollen Japanischen Pflaumenbäumen bepflanzte Maximilianstraße. Das Ansinnen des Garten- und Tiefbauamtes, pilzbefallene Bäume durch die angeblich robustere Japanische Kirsche zu ersetzen, rief im letzten Herbst Anwohner und Bürgerverein auf den Plan (s. dazu Wiehre-Journal 58). Noch sind die fünf zur Pflanzung vorbereiteten Baumscheiben nicht neu befüllt und das Ergebnis der konstruktiv verlaufenden Gespräche mit dem Gartenbauamt nicht „amtlich“.

Unser nächstes Ziel, ein gewaltiger Mammutbaum auf einem privaten Grundstück in der Maximilianstraße 15, ist eher schon ein standsicheres Baumdenkmal, denn er ist gänzlich abgestorben und soll demnächst gefällt werden. Zum Baumsterben führte möglicherweise die starke Trockenheit der letzten Jahre sowie ein dem Grauschimmel verwandter Pilz, der gezielt trockengestresste Mammutbäume befällt.

Nur ein paar Meter weiter am Goetheplatz steht im grünen Rondell noch einer von ehemals zwei imposanten Japanischen Schnurbäumen, deren dekorative Blüten im Frühsommer auch vielen Bienen Nahrung spenden. Seinen Namen hat der Baum von den bis zu 30 cm länglichen dünnen Früchten, die aussehen wie eine aneinandergereihte Perlenschnur. Mit der imposanten, weit ausladenden Krone ist er prädestiniert für einen solchen Einzelstandort und man mag sich den Platz gar nicht ohne ihn vorstellen. Sicher auch die Fledermäuse nicht, für die in ca. 4 m Anflughöhe zwei Fledermauskäste angebracht wurden.

Am Zaun des Vorgartens der Silberbachstraße 12 endet unser kleiner Spaziergang schließlich. Vertiefen Sie sich in den Anblick zweier malerischer Hänge- oder Trauerbuchen, deren Wuchsform an eine Wasserfontäne erinnert. An der Wuchsform scheiden sich häufig die Geister. Ob man diese nun schön findet oder nicht: Diese Exemplare wirken in aller Augen imposant durch ihr im Sommer dichtes Laubdach.

Liebe Leserin, lieber Leser, auf diesem kleinen Spaziergang mit meinen Begleitern, Herrn Manuel Karopka, dem technischen Leiter für Forstpflanzenzucht der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg und dem angehenden Arboristen Sebastian Schäufele, wurde mir schon am ersten Baum klar, dass ich die vielfältigen detailreichen Informationen nicht in einem Artikel werde unterbringen können. So sind wir dankbar für die Bereitschaft der beiden Wissenschaftler, diesen Spaziergang in ausgeweiterter Form als eine unserer beliebten Wiehre-Führungen anzubieten.

Loretta Lorenz