Chronik

Zur Geschichte und Zielsetzung des Bürgervereins Mittel- und Unterwiehre e.V.

Als 1875 der rührige Architekt, Bauunternehmer und Stadtrat Karl Walterspiel den Lokalverein „Wiehre“ gründete, geschah dies in einer Zeit, als die Stadt neue Baugebiete erschließen musste.
Der Blick der Stadtväter in Richtung Wiehre und die geplanten Bauvorhaben in diesem Stadtteil, der 1819 nach Freiburg eingemeindet worden war, wurden von deren Einwohnern mit einem gewissen Misstrauen begleitet.
Diese Reaktion erkennend hatte Karl Walterspiel mit dem „Lokalverein Wiehre“ eine Interessengemeinschaft ins Leben gerufen, die stark genug war, den Begehrlichkeiten der Stadtverwaltung politisch entgegentreten oder sie in eine bestimmte Richtung zu lenken.
Karl Walterspiel hatte sich 26 Jahre intensiv für “seine Wiehre” eingesetzt, was ihm die Bürgerschaft durch die Ernennung zum “Ritter des Zähringer-Löwen-Ordens” dankte. Unter seinem Vorsitz entwickelte sich der Bürgerverein zu einer schlagkräftigen Interessenvertretung, zählte schon zu jener Zeit über 260 Mitglieder und genoss ein beachtliches Ansehen in der Stadt. Nach seinem Vorbild entstanden in Freiburg zahlreiche weitere Lokalvereine, so 1892 im Stühlinger, 1899 in Herdern, 1907 in der Nordstadt, 1908 in der Oberstadt und 1909 in Haslach.
Auf Walterspiel, der den Bürgerverein bis 1901 leitete, folgte der Privatier F.X. Isele.
Im Jahre 1905 teilte sich der Bürgerverein “Wiehre” aufgrund der großflächig fortgeschrittenen Bebauung der Wiehre bis weit nach Osten in die beiden Bürgervereine “Mittel- und Unterwiehre” und “Oberwiehre-Waldsee”.
Die Jahre bis zum 2. Weltkrieg liegen weitestgehend im Dunkeln.
Bekannt ist, dass der Bürgerverein 1937 wie die anderen bürgerschaftlichen Interessensvertretungen aufgehoben wurde. Nach den Wirren des 2. Weltkriegs war das Interesse am politischen und gesellschaftlichen Engagement im Verein nicht mehr so groß wie zuvor. Nur wenig ist auch von dieser Zeit überliefert. Aus den vorliegenden Archiven ist aber ersichtlich, dass bis 1965 Wilhelm Eschle den Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee geleitet hatte, während Dr. Franz Kaiser dem des Bürgervereins Mittel- und Unterwiehre vorstand.
1965 schlossen sich die beiden Wiehremer Bürgervereine unter ihrem alten bzw. neuen Vorsitzenden Wilhelm Eschle, der zugleich auch Stadtrat war, wieder zusammen, dem als zusätzlichen Vorsitzenden Ernst Wiesbrock aus der Unterwiehre zur Seite stand. Nur vier Jahre später, im Herbst 1969 gingen sie aufgrund des großen Vereinsgebietes, das damals von der Rheintalbahnlinie im Westen bis zum Rosskopf und Strandbad im Osten reichte, als bevölkerungsreichster Stadtteil Freiburgs wieder getrennte Wege.
Im Jahre 1985 stand der Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre  – der seit seiner Gründung im Jahre 1875 ältester Bürgerverein unserer Stadt ist – mit seinen weniger als 30 Mitgliedern nahezu vor dem Aus.

Der damalige 1.Vorsitzende Sommermeier und die weiteren Mitglieder des Vorstands waren nicht mehr bereit, erneut zu kandidieren und es wurde ernsthaft darüber diskutiert, den Verein aufzulösen.

Eine Handvoll Mitglieder erklärte sich jedoch bereit, bei der Jahreshauptversammlung im Kolpinghaus im Jahre 1985 die Verantwortung für den Fortbestand unseres Bürgervereins zu übernehmen.
Auf der Jahreshauptversammlung im November 1985 trat dann erwartungsgemäß der gesamte alte Vorstand zurück und der langjährige Stadtrat Alfred Kalchthaler, seit 1. Jan. 1956 auch Mitglied unseres Vereins, war als Wahleiter überrascht und erstaunt, dass sich eine neue Mannschaft der Herausforderung eines Neustarts unter dem Rechtsanwalt Klaus Winkler als 1.Vorsitzenden zur Wahl stellte.
Unter seiner Führung wuchs der Bürgerverein nicht nur hinsichtlich der Mitgliederzahl (heute über 400), sondern auch an Ansehen in der Stadt Freiburg. Der Bürgerverein versteht sich seit Amtsantritt von Klaus Winkler als ein politisch orientierter und agierender Verein zum Wohle der Bürger und bei stadtplanerischen und verkehrspolitischen Fragen als ein wichtiger Ansprechpartner für die Stadtverwaltung.
Unter der 23-jährigen Führung des inzwischen stadtbekannten Klaus Winklers konnte vom Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre viel bewegt werden wie beispielsweise die Verkehrsberuhigung des Stadtteils u.a. mit Verlegung der B 31 und Bau der Stadtbahn durch die Basler Straße, Einführung der Anwohner-Parkzonen, Verhinderung der Bebauung der Günterstäler Wiesen, familiengerechte Umnutzung der leer stehenden Franzosenwohnungen und  Gründung der Bewohnerinitiative „Westlich Merzhauser Straße“, Gründung des Lorettobad-Fördervereins mit Sanierung des Lorettobades als ältestes Freibad Deutschlands, dann 2008 der Bau des neuen Depots der Freiwilligen Feuerwehren Wiehre und Oberstadt in der Urachstraße mit einem zentralen und größeren Einsatzstandort und nicht zuletzt die 6 mal jährliche Herausgabe der Stadtteilzeitung “Wiehre-Journal” spiegeln eine breit gefächerte, kontinuierliche Arbeit wieder, die in der Bevölkerung großen Zuspruch erfährt.

Eugen Reinwald und sein Vorgänger Klaus Winkler

Mit der Wahl von Eugen Reinwald am 29. Jan. 2009 übernahm ein “Wiehremer Urgestein” den Vorsitz im Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre. Der 60-jährige gebürtige Wiehremer, der dem Vorstand in unterschiedlichen Funktionen seit 1990 angehört, will sich künftig vor allem um die städtebauliche Weiterentwicklung des Stadtteiles und eine bessere Vernetzung aller ortsansässigen Institutionen kümmern. Mit einem Gutachten über die Zukunft des Lorettobades sorgte Reinwald während der Amtszeit von Oberbürgermeister Rolf Böhme im Jahre 1995 dafür, dass das beliebte Freibad nicht geschlossen, sondern saniert und erhalten werden konnte.

Weitere wichtige Themen des Bürgervereins sind nach wie vor die Situation an der B 31 mit Planung des Stadttunnels, die städtebauliche Entwicklung im Bereich des “hinteren Schlierbergs und östliche Merzhauser Straße“, 2010 Teilnahme am Stadtteil-Entwicklungs-Plan (STEP) sowie eine behutsamere Nachverdichtung bei gleichzeitiger Weiterentwicklung der dafür notwendigen Infrastruktur der Wiehre.