Der Lern- und Lebensraum der Schülerinnen und Schüler der Freien Waldorfschule ist ein kleiner Campus für sich zwischen Bayernstraße und Schwimmbadstraße, in dem – zumindest von Anwohner*innen so gefühlt – in den letzten Jahrzehnten ständig an irgendetwas gebaut wurde. Pünktlich zum 80-jährigen Bestehen der Schule wurde nun der zweigeschossige Verbindungsbau zwischen dem Westgebäude mit dem Festsaal und der Sporthalle mit einiger lokaler Prominenz in einem Festakt eingeweiht.
Der Erweiterungsanbau schuf im Erd-geschoss mit einem großzügigen Foyer eine verbindende Mitte und vergrößerte zugleich die Mensa um ein Vielfaches. Neben einigen kleineren Räumen bildet insbesondere der großzügig bemessene Eurythmieraum im Obergeschoss das neue Herzstück des Gebäudes.
Gemeinsam war allen Festreden die Hervorhebung dessen, was diese Schule so besonders macht. So meinte zu Beginn Peter Ludorf aus dem Vorstand der Schule, dass neben der Waldorfpädagogik und der Betonung der Gemeinschaft das Bauen etwas sei, was diese Schule sehr geprägt habe, und löste mit dieser Bemerkung einige Heiterkeit aus.
Oberbürgermeister Horn hob besonders den bekannten „Waldorfspirit“ des gemeinsamen Anpackens hervor. Es mache diese Schule aus, dass Eltern sich stark einbringen. Im Gespräch mit sehr jungen Schülerinnen in der ersten Reihe arbeitete der Vater von drei Kindern dann sehr kindgerecht heraus, was Kinder und Schneeflocken gemeinsam hätten: Beide sind einzigartig in ihrer Individualität – keine gleiche der anderen, jeder und jede sei etwas ganz Besonderes.
In den musikalischen und tänzerischen Beiträgen der Klassen 2, 4, 6, 8, 10 und 12, die zwischen die Redebeiträge gestreut waren, konnte sich das Publikum davon überzeugen. Eine kluge Idee war es, durch das numerische Ansteigen der Altersklassen auch die Entwicklung von Kindern über Jugendliche zu sehr ausdrucksstarken, selbstbewussten jungen Erwachsenen vor Augen zu führen. So gab die Schülerschaft auf der Bühne eindrucksvoll und überzeugend selbst das beste Zeugnis einer erfolgreichen Waldorfpädagogik.
Die Landtagsabgeordnete Nadine Saint-Cast, selbst ehemalige Waldorfschülerin, wünschte sich denn auch für alle Bild-ungsstätten deutlich mehr Waldorfelemente, vor allem die des gleichberechtigten Nebeneinanders der Bildung von Kopf, Herz und Hand.
Den rund zweistündigen Festakt abschließend berichteten Mitglieder des Baulenkungskreises, der aus Eltern und Lehrkräften besteht, auf launige Weise von den einzelnen Etappen dieses Bauabschnitts seit ihrem ersten Zusammenkommen im Jahr 2019. Auf die Corona-Zeit folgte die Materialkrise; die dadurch erzwungene Bauverzögerung nutzten sie jedoch, um Fördergelder einzuwerben, die schließlich den Umstieg auf vollständig erneuerbare Energien ermöglichten.
Für rund 900.000 Euro erhielt die Schule eine Grundwasserwärmepumpe, an die bereits alle Schulgebäude auf dem Gelände angeschlossen sind. Damit ist die älteste Waldorfschule in freier Trägerschaft in Freiburg zu einem Leuchtturmprojekt in Sachen erneuerbare Energien geworden und beweist eindrucksvoll, wie eine Schulgemeinschaft auch ohne fest implementierte Leitungsstrukturen gemeinsam hoch gesteckte Ziele in vergleichsweiser kurzer Zeit erreichen kann. Ein Modell, das durchaus Schule machen sollte.
Nach Redaktionsschluss erreichte uns noch die gute Nachricht, dass der Denzlinger Weg, der die Bayernstraße mit der Straßenbahnhaltestelle Basler Straße verbindet, nach der Baustellenräumung Ende April wieder für den Fuß- und Radverkehr freigeben wird.
Loretta Lorenz
