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Editorial Wiehre Journal Nr. 71

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

liebe Mitglieder des Bürgervereins Mittel- und Unterwiehre, 

pünktlich zu Schulbeginn melden wir uns mit der neuen Ausgabe aus der Sommerpause zurück.

Na ja, der Sommer hatte tatsächlich Pause. Zumindest was Freiburg betraf, hatten gefühlt nur die Flohmärkte und einzelne Straßenfeste Glück mit dem Wetter. Von daher bilden unsere Sommerimpressionen im Journal nicht die erlittene Realität der Daheimgebliebenen ab. Dafür machen uns die Schnappschüsse nicht nur gute Laune, sondern auch ein wenig stolz darauf, was wir Wiehremer so alles auf die Beine stellen.

Ich war in diesem Jahr an der französischen Atlantikküste und fuhr von dort mit dem Bus nach Bordeaux. Der Fahrpreis für 75 km in einem modernen Überlandbus betrug zwei Euro. Warum ich das hier an prominenter Stelle erzähle? Um zu begründen, warum wir im Wiehre Journal wiederholt den Blick über den Zaun bzw. die Grenzen in die Nachbarländer werfen, wenn es um moderne Verkehrskonzepte geht. Wer so unschlagbar günstig, bequem und stressfrei ins Zentrum einer deutschen Großstadt gelangen kann, würde sein Auto vermutlich auch daheim stehen lassen. Subventionen scheinen jedenfalls richtig eingesetzt zu werden. Unser Vorstandsmitglied Markus Ohler war dieses Jahr zufällig ebenfalls in Bordeaux und hat für uns noch genauer hingeschaut, warum es dort tatsächlich innerstädtisch so deutlich verkehrsberuhigt zugeht. Lesen Sie, warum es sich vielleicht lohnt, nicht nur den Wein aus Bordeaux zu importieren.

Loretta Lorenz

für den Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre

2021-09-08T11:23:15+02:0008.09.2021|Kategorien: Allgemein|Kommentare deaktiviert für Editorial Wiehre Journal Nr. 71

Wenn der Bach zum reißenden Strom wird: Hochwasserschutz?

Nach der Hochwasserkatastrophe an der Ahr und in der Eifel fragt man sich bei uns in der Wiehre, ob solche Überschwemmungen auch durch den Hölderlebach verursacht werden könnten. Die Antwort muss leider lauten: Ja! – Denn Niederschläge von bis zu 200 Litern pro Quadrat-meter in 24 Stunden, wie sie Mitte Juli in der Eifel und im Sauerland vorkamen, können von Wald und Boden auch im Einzugsgebiet Bohrertal nur in kleinen Teilen zurückgehalten werden. Eine große Menge käme zum Abfluss und würde auch die neu errichteten Hochwasserrückhalteräume zum Überlaufen bringen.

Man muss sich das einmal vorstellen: Innerhalb eines Tages regnet, nein, schüttet es auf eine Fläche von 1 x 1 Meter so viel Niederschlag, als wenn 20 Eimer zu jeweils 10 Litern voll mit Wasser ausgeschüttet würden. Hat es in den Tagen vorher etwa schon geregnet, sind die Oberböden voller Wasser, und so fließen diese Mengen nahezu ungebremst dem Hölderlebach zu. Dieser würde schon nach kurzer Zeit über die Ufer treten.

Seit 2008 besteht bereits an der Wonnhalde ein erstes Rückhaltebecken, das 2013 auch bisher einmalig seine Funktion erfüllen konnte, in dem es sich am 1. Juni füllte und ein Überlaufen des Hölderlebaches in der Schwimmbadstraße verhindern konnte. Es handelte sich damals um ein Ereignis, das theoretisch alle 10 Jahre vorkommen kann.

Die Stadt schafft derzeit in Horben und an der Wonnhalde zusätzlichen Retentionsraum, dessen Volumen so berechnet wurde, dass im Hölderlebach auch bei einem Abfluss, der alle 100 Jahre vorkommen kann, noch keine Überschwemmung stattfindet. Um den Klimawandel zu berücksichtigen, wurde das Volumen größer ausgelegt. Insgesamt entspricht dieses Vorgehen dem heute üblichen Standard, so dass hinter dem sog. Bohrerdamm 200.000 Kubikmeter zurückgehalten werden können. Wir berichteten im WJ 56 ausführlich über das Projekt.

 

Ein Niederschlag von 200 Litern je Quadratmeter würde aber heißen, dass in dem 19 Quadratkilometer großen Einzugs-gebiet des Bohrerbeckens 3.800.000 Kubikmeter Wasser zusammenkämen. Selbst wenn man Vegetation, Versickerung und Verdunstung berücksichtigt, verblieben dennoch Mengen, die alle Anlagen zum Rückhalt überfordern würden. Die Gegenüberstellung macht deutlich, dass wir uns selbst durch solch große Rückhaltebecken wie den Bohrerdamm nicht vor jedem Hochwasser schützen können, was auch nie die Absicht war. 

Deswegen ist es wichtig, 

  • dass wir Bürger*innen uns des verbleibenden Risikos bewusst sind,
  • dass wir Vorkehrungen treffen, damit nicht bei jedem Hochwasser ein großer Schaden entsteht,
  • dass wir uns kundig machen, wo Überschwemmungen auftreten können. Das zeigen z.B. die Hochwassergefahrenkarten im Geodatenportal auf der Homepage der Stadt.
  • dass wir den Gewässern genügend Raum lassen, um bei Hochwasser ausufern zu können.
  • dass wir aufmerksam sind und bei entsprechenden Wetterlagen auf Warnungen vor Hochwasser achten.

Denn: 

Das Klima wird sich – trotz aller Maßnahmen – weiter so verändern, dass extreme Hochwasser immer häufiger auftreten werden.

Jürgen Bolder

2021-09-08T11:22:15+02:0008.09.2021|Kategorien: Allgemein|Kommentare deaktiviert für Wenn der Bach zum reißenden Strom wird: Hochwasserschutz?

Höhlenmenschen der Moderne

Vor mehr als 100 Jahren – so ist es auf dem Aquarell festgehalten – wurde der Lorettoberg intensiv landwirtschaftlich genutzt: Weingärten, Streuobstwiesen, einsame Gehöfte, die durch Kutsch-, Reit- und Wanderwege miteinander verbunden waren.

Heute wandern vornehmlich große Baukräne und schwere Bagger von Baustelle zu Baustelle,  höhlen den Berg aus und betonieren fast jeden Quadratmillimeter Fläche. Sie schaffen Behausungen für jene Spezies von Menschen, deren besonderes Bedürfnis es zu sein scheint, in einer Festung zu leben. Verglaste Quader, die eher an Aquarien erinnern, sind mit hohen Mauern umgeben und verdrängen immer mehr die kleingliedrige offene Bebauung. Dutzende von Videokameras wurden für eine lückenlose Überwachung der Hochsicherheits-Quartiere installiert. Architekt*innen können sich hier immer mehr im modernen Burgenbau üben – einer Fertigkeit, die in Freiburg große Tradition hat. Die mittelalterliche Umfassung der Stadt und später die spektakulären Bastionen nach den Plänen des Sébastien Le Pestre, Seigneur de Vauban, wurde vor allem gebaut, um die Kontrolle darüber zu haben, wer die Stadt betritt.

Nachdem einige Eigentümer*innen ganze Straßen für die Öffentlichkeit gesperrt haben, ist die Idee nur naheliegend, doch gleich den ganzen Lorettoberg für das „gemeine“ Volk zu sperren …

Mit den jüngsten Plänen, den alten Steinbruch in der Mercystraße zu bebauen, ließen sich die weiteren Wohnfestungen, wie man sie am Lorettoberg inzwischen hinreichend kennt, auch gleich mit einer imposanten Toranlage (Anleitungen finden sich notfalls in den Archiven) stilvoll absperren. Auf der Südseite könnte das zukünftige Sperrgebiet mit einem Wachturm, ähnlich dem Hildaturm, abgeschlossen werden. Dieser „Spemann-Turm“ würde vor allem die Sicherheit der Lorettoberg-Bewohner*-innen von Süden her garantieren.

Die Eigentümer*innen des Lorettobergs könnten dann ihre Bauvorhaben und Wohnphilosophien ungestört ausleben. Ein jährliches „Besichtigungs- und Begegnungsfest“ jeweils im Spätsommer mit begrenztem Zugang für ausgewählte Freiburger*innen würde den Kontakt zu diesen halten. Mit dem Fest würde auch wiederkehrend der Bericht der wissenschaftlichen Begleitgruppe um die Lorettoberg-Stiftungsprofessur veröffentlicht. Die Videoüberwachung und die Zugangskontrolle wären leicht zentral und kosteneffizient zu realisieren. Kurz – nur Vorteile für alle. Kein Mensch würde sich mehr in die schon heute verbotene Zone der Kreuzkopfsteige verirren. 

Wilhelm Sievers

2021-09-08T11:21:03+02:0008.09.2021|Kategorien: Allgemein|Kommentare deaktiviert für Höhlenmenschen der Moderne

Bebauungsplan „Kapellenweg/Kreuzkopfstraße“

Am 09.10.2020 wurde der Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans (beschleunigtes Verfahren nach §13a BauGB) „Kapellenweg/Kreuzkopfstraße“ Plan-Nr. 4-91 (BaUStA-20/009) veröffentlicht. Seither hört und liest man seitens der Bauverwaltung der Stadt Freiburg nichts mehr. Was man jedoch deutlich sichtbar wahrnehmen kann, ist die weiterhin zügellose Betonierung des Lorettobergs.

Besondere Eindrücke verschafften sich der Gemeinderat Helmut Thoma (GRÜNE) zusammen mit den Vorständen des Bürgervereins (BV) Jürgen Bolder und Wilhelm Sievers bei einem Spaziergang im vom Aufstellungsbeschluss umfassten Gebiet. 

Der Wald des Lorettoberggipfels – ein verwunschenes Kleinod – ist inzwischen nur noch von Süden her zugänglich (Spemannplatz). Der nördliche Zugang wurde mit einem massiven Tor durch die Eigen-tümer*innen der Kreuzkopfsteige versperrt. Besonders eindrucksvoll waren die Blicke von „oben“ auf zwei Anwesen. Kreuzkopfsteige 5, ein verwahrlostes Grundstück (Flst.Nr. 7969/61) mit einem Haus, das seit Jahren unbewohnt ist und immer mehr verfällt. Weiter südlich die „Festung“ der Kreuzkopfstr. 17 (Flst.Nr. 7999) – unter einem braunen Behang verbirgt sich ein sehr massiver Zaun, der die Quader des „Burgfrieds“ umgibt. Unzählige Kameras an Masten und an den Gebäuden überwachen diese markante Hochsicherheits-
anlage.

Aus dem Wald führt ein schmaler Pfad zum Spemannplatz. Das Anwesen Kreuzkopfstr. 23a (Flst.Nr. 7991) – ab hier weitet sich der Weg und ist befahrbar – steht in zweiter Reihe zur Kreuzkopfstraße und passt gut als weitere videoüberwachte Befestigungsanlage zur neueren Entwicklung am Lorettoberg.

An der Kreuzkopfstraße fällt das arg vernachlässigte und seit mehr als einem Jahr unbewohnte Anwesen Kreuzkopfstr. 21 (Flst.Nr. 7994) auf. Weiter geht nochmals der Blick auf das Highlight der ‚Lorettobergisierung‘, der Kreuzkopfstr. 17 (Flst. Nr 7999): eine graue hohe Mauer, bündig mit der Straße, und schwere, videoüberwachte Stahltore – eine Hochsicherheitseinrichtung, die eher zu einer Justizvollzugsanstalt denn zu einem ‚Wohngebäude‘ passt. Die inzwischen übliche Aushöhlung des Berges ist erneut in der Kreuzkopfstr. 11 (Flst.Nr. 7969/58) zu bewundern – hier entsteht auf dem Grundstück in erster Reihe eine Tiefgarage mit bekanntem Quader darüber und als Besonderheit ein
unterirdischer Zugang zum Nachbar-gebäude. An der Ecke Kreuzkopf
straße / Kreuzkopfsteige fällt eine große, unbebaute Fläche auf (Flst.Nr. 9344 und 9344/1). Eine Bebauung würde allerdings den Bewohner*innen des darüber liegenden Gebäudes in der Kreuzkopfsteige die Sicht nach Westen auf oft spektakuläre Sonnenuntergänge nehmen.

 

Die beiden Baugruben am Kapellenweg 5 und 18 (Flst.Nr. 7979/5 sowie Flst.Nr. 7977/3) erstrecken sich fast über deren gesamte Grundstücksfläche. Auf eine besondere Architektur – außer den bekannten Quadern – ist auch hier wahrscheinlich nicht zu hoffen. Gegenüber dem videoüberwachten, weiß ummauerten Kapellenweg 9 (Flst.Nr. 7936/3) fällt der frisch gegraute Garagenunterbau der „Wohn-Aquarien“ des Kapellenwegs 12, 12a, 12b auf (Flst.Nr. 7975/16, 7975/10 sowie 7975/17). Zusammen mit dem neuen „Haus am Hang“ am Kapellenweg 8 (Flst.Nr. 7975/18, 7975/7, 7975/19) ist hier eine Betonschlucht entstanden, die direkt am Rand eines Landschaftsschutzgebietes seinesgleichen sucht. Die Sicht auf den Hildaturm als markantes Wahrzeichen wird von massiven Klötzen versperrt. 

Schaut man zurück auf das vom Aufstellungsbeschluss umfasste Gebiet (www.freiburg.de/pb/1274517.html), dann bleiben nur noch wenige Anwesen, die einer maßlosen Betonierung entzogen werden können. Auf manchem der Grundstückszäune sitzen höchstwahrscheinlich schon die „Geier“. Mehrere Anläufe für die Aufstellung eines Bebauungsplanes hat es in den Jahren 2013, 2018 und endlich 2020 zwar gegeben, aber die hohe Auslastung und Belastung der Bauverwaltung (und damit andere Prioritäten) haben für die „Lorettobergisierung“ – als Synonym für die ungezügelte Bebauung des Lorettoberges – gesorgt. Alles zusammen beste Voraussetzungen für die-jenigen, die weitgehend ungehindert „Großes“ auf dem Lorettoberg schaffen wollen.

Was bleibt von den hehren Zielen des Aufstellungsbeschlusses und eines wahrscheinlich weiter in der Ferne liegenden Bebauungsplanes? Dessen Vorgaben sehen u.a. eine Grundflächenzahl (GRZ) von max 0,2 vor – also nur 20 % eines Grundstücks sollten bebaut werden können. Was bleibt von den schützenswerten Vorgärten und von besonders schützenwerten Bäumen? Alles dies gilt für die jüngst zurückliegenden und aktuellen Aktivitäten kaum. Bäume verschwinden (genehmigt), das Grün der Vorgärten wird durch hohe graue Mauern ersetzt. Eine Veränderungssperre, wie sie in anderen Aufstellungsgebieten in der Stadt durchaus umgesetzt wurde, wurde am Lorettoberg (auch mit dem BV) diskutiert, aber nie weiterverfolgt. Über die Gründe darf spekuliert werden? 

Aus Sicht des Bürgervereins Mittel- und Unterwiehre ist davon auszugehen, dass bis zur Verabschiedung des Bebauungsplans der Lorettoberg komplett im Sinne der Bauwilligen „deformiert“ ist. Der Bebauungsplan kann dann ohne besondere Wirkung in Ordnern verschwinden … 

Und es geht weiter – inzwischen wurden Aktivitäten bekannt, auch den Steinbruch (Flst.Nr. 7971) unterhalb des Hildaturms in der Mercystraße zu bebauen. Aus Sicht des Bürgervereins hat der Bereich Lorettoberg ein großes Potential für hohe Lebens- und Wohnqualität. Solange aber nur der §34 BauGB für die Genehmigungsverfahren in diesen Bereich maßgeblich gilt, wird die ungezügelte, eher der Geldvermehrung unterworfene Bebauung weitergeführt werden, statt auf das Gemeinwohl Rücksicht zu nehmen, das z.B. aus erlebbarer Landschaft für Erholungssuchende besteht. Es ist höchste Zeit, dass dem Bereich des Lorettobergs eine Atempause verschafft wird, in der der Bebauungsplan für eine angepasste Gestaltung der Bebauung entwickelt wird und damit gerettet werden kann, was noch zu retten ist. Dazu wäre jedoch der Gestaltungswille des Gemeindesrates und der Verwaltung erforderlich. 

Anmerkung:
Alle Flurstückgrenzen und Bezeichnungen finden Sie unter dem GeoPortal-BW: www.geoportal-bw.de

Wilhelm Sievers

2021-09-08T11:20:00+02:0008.09.2021|Kategorien: Allgemein|Kommentare deaktiviert für Bebauungsplan „Kapellenweg/Kreuzkopfstraße“

Nein, es geht nicht um Wein! Bordeaux in der Wiehre

Veränderungen, die die Alltagsroutine betreffen und den Status quo bedrohen, fallen einem nicht leicht. Es bedarf einiger Anstrengung und Überwindung, Veränderungen in den Alltag zu integrieren. Zumal es eine gewisse Skepsis nur schwer zulässt, sich überhaupt auf Veränderungen einzulassen. Routinen und Rituale schaffen in unserem Leben eine vertraute Umgebung, in der wir uns wohlfühlen.

Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn wir uns bewusst dazu entscheiden, unsere Alltagsroutinen hinter uns zu lassen und bereit sind, Neues zu entdecken. Abenteuerlust und Neugierde begleiten unsere Erfahrungen und Erlebnisse: Der Urlaub hat begonnen. 

Mich hat es diesen Sommer an die französische Atlantikküste verschlagen, genauer gesagt in die Stadt des edlen Weins: Bordeaux. Natürlich konnte ich die Stadt nicht ohne meine „Freiburger Brille“ betrachten, d.h. ohne das Stadtbild und die Verkehrssituation von Bordeaux mit der meines badischen Städtles zu vergleichen. Bordeaux (250.000) hat nämlich ungefähr gleich viel Einwohner wie Freiburg (230.000) und hat es in kurzer Zeit geschafft, die Stadt für den öffentlichen Nahverkehr und den Fuß- und Radverkehr fit zu machen. Allerdings ist die Einwohnerdichte in Bordeaux um den Faktor von 3,5 höher als in Freiburg und ähnelt mir eher der Einwohnerdichte der Wiehre als der der gesamten Stadt Freiburg. Wie also hat Bordeaux es geschafft, eine so fahrradfreundliche Stadt zu werden, dass sie auf dem „Copenhagenize Index“ auf Platz 6 der fahrradfreundlichen Städte Europas landen konnte?

Schnell ist mir aufgefallen, dass die ganze Stadt von einem Netz aus Einbahnstraßen überzogen ist. In der dicht besiedelten Stadt mit ihren schmalen Straßen haben die Einbahnstraßen dazu beigetragen, dass nun zusätzlicher Platz für Fahrradspuren vorhanden ist. Außerdem haben die Rad-fahrer*innen die Möglichkeit, die Einbahnstraße in beide Richtungen zu befahren. Meiner Wahrnehmung nach ist so in den schmalen Straßen genug Platz für Autos, Fahrräder und Menschen, die zu Fuß unterwegs sind. Bei mir stellte sich sofort der Gedanke ein, dass solch ein Einbahnstraßensystem auch gut bei uns in der Wiehre funktionieren könnte – speziell in der Erwin- und Zasiusstraße könnte man mit abgegrenzter Fahrradspur den Fahrradverkehr in beide Richtungen öffnen.

Ein weiterer Punkt, der einem sofort auffällt, ist das geringe Parkaufkommen in den Stadtteilen bzw. das schnelle Finden freier Parkplätze. Der Blick auf den Parkautomaten lässt sofort den Grund erkennen. Kurzparken von einer halben bis zu einer Stunde kostet ein bis drei Euro. Dann allerdings steigen die Kosten rapide bis zu einer maximalen Parkdauer von 4:15 Stunden zu einem Preis von 30 bis 35 Euro je nach Parkzone. Bordeaux hat es geschafft, die parkenden Autos in der Stadt zu reduzieren und der Effekt ist sofort spürbar: Die Straßen wirken trotz ihrer Enge luftig und übersichtlich.

Die hohe Dichte an parkenden Autos bei uns in der Wiehre ist für uns Bürgerinnen und Bürger schon zur Normalität geworden und dennoch lohnt es sich weiter darüber nachzudenken, wie es sein könnte, wenn man nicht mehr auf sein direkt vor der Haustür zu einem Preis von 30 bis 35 Euro je nach Parkzone parkendes Auto angewiesen sein muss. Dass es möglich ist, beweist Bordeaux auf ganz angenehme Weise. Die Stadt Freiburg will diese Herausforderung gerade durch die Neugestaltung der Parkraumbewirtschaftung angehen, wobei spannend bleibt, wie diese Neugestaltung unseren Stadtteil prägen und verändern wird.

Einen letzten Eindruck, den ich in meinem Urlaub in der schönen französischen Stadt außerdem gewonnen habe, ist, dass die Menschen dort eine generelle Akzeptanz gegenüber unterschiedlichen Fort-bewegungsmitteln aufzeigen. Selbstverständlich entstehen auch hier sehr brenzlige Situationen zwischen den Verkehrsteilnehmer*innen. Allerdings versucht die Stadt durch kleine Maßnahmen (extra Ampeln für den Rad-verkehr, Beschilderung fürs erlaubte Rechtsabbiegen bei roter Ampel für Fahrräder, kulturelle Veranstaltungen wie zum Beispiel autofreie Sonntage in der Stadt gepaart mit kostenlosen Eintritten in Museen), die Akzeptanz füreinander und die Umstellung auf den nicht-motorisierten Individualverkehr zu unterstützen. Außerdem leiht die Stadt allen Einwohner*innen ein kostenloses Fahrrad für den Stadtverkehr. Das alles sind wichtige Schritte in Richtung einer nachhaltigen Mobilität, die außerdem zu einer Wohlfühlatmosphäre in der Stadt beitragen.

Der Bürgerverein bleibt deshalb am Thema der nachhaltigen Mobilität bei uns im Stadtteil weiter am Ball und gestaltet diese aktiv mit, wie zum Beispiel durch den Vororttermin mit Herrn Schmitt-Nagel von der Stadtverwaltung (Abteilung Verkehrsplanung) am 5. Juli 2021 an der Ecke Peter-Sprung-Straße/Dreikönigstraße sowie an der Ecke Lorettostraße/Schlierbergstraße, die Unterstützung des Pop-Up-Boulevard des Fuß- und Radentscheids vom 13. Juni 2021 oder der Start der Zusammenarbeit mit dem BV Oberwiehre für ein einheitliches Verkehrskonzept in der gesamten Wiehre. 

Über die Veranstaltung „Straßen für Menschen – Superblocks für Freiburg?“ am 6. September 2021 18 – 20 Uhr am Alten Wiehrebahnhof in Zusammenarbeit mit dem Ortsverbund von Bündnis 90/Die Grünen Freiburg werden wir im nächsten Journal berichten.

Markus Ohler

2021-09-08T11:18:18+02:0008.09.2021|Kategorien: Allgemein|Kommentare deaktiviert für Nein, es geht nicht um Wein! Bordeaux in der Wiehre

Aus der Mitgliederversammlung am 6. Juli 2021

35 Mitglieder waren anwesend bei der Mitgliederversammlung (MV) am 6. Juli in der Halle des Wiehrebahnhofs.

Vom geschäftsführenden Vorstand begrüßte Markus Ohler und gab Hinweise zum Vereinsgeschehen im letzten Jahr, in welchem infolge Corona viele Veranstaltungsideen nicht umsetzbar waren und nur ein kleines Programm nach außen wirksam wurde. Herausgestellt wurden:

  • Die Beschaffung zweier Lastenfahrräder für das Quartier mit den Standorten Lorettobad und Alter Bhf Wiehre,
  • die Kutschenfahrt auf den Panoramastraßen im Sternwald und Lorettoberg anlässlich der Feierlichkeiten zu 900 Jahre Freiburg,
  • die Entschleunigung der Günterstalstraße in ihrem südlichen Ab-schnitt bis zur Holbeinstraße,
  • die Anstrengungen, im Quartier zu weiterer Verkehrsberuhigung beizutragen, als da sind
  • Verringerung von Durchgangsverkehr, Verbesserungen für den Rad- und Fußgängerverkehr,
  • Weiterentwicklung von Fahrradvorrangrouten. 

Loretta Lorenz verabschiedete Vorstandsmitglied Justus Kampp aus dem Vorstand und dankte für dessen Engagement in den vergangen Jahren. Herr Kampp war letzter alleiniger Bürgervereinsvorsitzender und es war seine Idee, dieses Amt in den aktuell vierköpfigen geschäftsführenden Vorstand aufgehen zu lassen, dem er dann bis zur letzten Wahl 2020 auch angehört hat. Der Vereinsvorstand wird sein umfangreiches Fachwissen v.a. in Sachen Baurecht und die Leserschaft des Wiehre Journals seine knackigen Artikel sehr vermissen. 

Monika Lang-Dahlke informierte über den Verein und seine finanzielle Situation. Sie ist erfreulich, andererseits wohl auch dem Umstand geschuldet, dass infolge Corona so wenig Veranstaltungen durch den BV abgewickelt werden konnten. Die Mitgliederzahl (508 aktuell) hat sich leicht erhöht. Der Versammlung empfahl der Kassenprüfer Dr. Weyrauch angesichts der professionellen Kassenführung die Entlastung des Vorstands. Die Versammlung folgte der Empfehlung und entlastete den Vorstand einstimmig. 

Wilhelm Sievers machte zur Bausituation im Quartier vor allem Ausführungen zur Lorettoberg-Bebauung. Die dortige Entwicklung isolierter Einzelbebauung mit Durchgangssperren erscheint nicht Freiburg-Wiehre angemessen. 

Die besondere Situation im Bereich der Gründerzeitarchitektur bleibt ein Hauptanliegen in der Quartiersverbesserung. Dabei muss verstärkt auf die Erhaltung der Vorgärten und insgesamt auf die verkehrliche Beruhigung hingewirkt werden.

Daran anschließend zeigte Klaus Ullrich Müller Bilder von zahlreichen Veränderungen der Bausubstanz in der Wiehre, teils gelungen, teils aber massiv in die bestehende Struktur eingreifend, was die Anwesenden zu einer intensiven Diskussion herausforderte mit dem Tenor, die Stadt möge mehr dafür tun, dass die Stadt und insbesondere die Quartiere der Wiehre ihr Gesicht nicht verlieren.

Klaus Füsslin

2021-09-08T11:17:37+02:0008.09.2021|Kategorien: Allgemein|Kommentare deaktiviert für Aus der Mitgliederversammlung am 6. Juli 2021

Vielleicht erinnern Sie sich? Ein Lichtlein statt des Lichtermeers

Im November 2020 musste der Bürgerverein wegen rasant steigender Coronazahlen und den damit verbundenen Einschränkungen wie dem Versammlungsverbot unseren „klingenden Adventskalender“ zum großen Bedauern absagen.

Unsere Idee, in der Adventszeit den Bewohner*innen und Nachbarn in der Wiehre täglich ein besonderes Licht in die dunkle Zeit des Winters und des Abstandhaltens zu bringen,
mussten wir aufgeben. Dabei hatte unser Vorhaben der täglichen, dezentralen, kleinen Darbietungen eine beeindruckend große Resonanz gefunden.

Nun ist es wieder Herbst und die Coronasituation etwas entspannter, insbesondere durch Impfung der älteren Generation, zunehmend auch der jüngeren Menschen. 

Trotzdem ist nach unserer Auffassung weiterhin nicht die Zeit für große Veranstaltungen gekommen und das zentrale Lichterfest am Wiehrebahnhof muss ein weiteres Jahr ausfallen. So möchten wir unser Konzept von 2020 wiederaufnehmen und mit neuem Leben sowie neuen Ideen realisieren. Wir wünschen uns die gleiche freudige Bereitschaft, unseren Adventskalender mit vielen bunten Beiträgen zu füllen, sei es von Hausgemeinschaften, die von Balkonen oder in Einfahrten oder Vorgärten singen, Texte oder Gedichte rezitieren, sei es von Instrumentalist*innen, kleinen Ensembles oder Chören, die mit musikalischen Kostproben ihre Zuhörer erfreuen, sei es durch Lesungen vor Buchhandlungen oder durch andere Darbietungen. Auch kreative neue Ideen sind sehr willkommen.

Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt nicht, ob und wie sich die Abstandsgebote und Hygieneregelungen bis Dezember verändern werden. Mit der gebotenen Vorsicht und dem notwendigen Abstand sollen die kleinen Events täglich in der Zeit vom 1. bis 23. Dezember 2021 wieder im Freien, also vor Fenstern, Balkonen, in Höfen, Einfahrten, Vorgärten oder auf Plätzen wie Annaplatz, Goetheplatz, Gerwigplatz, Johanneskirchplatz oder am Alten Wiehrebahnhof stattfinden. Ein bis zwei Vorstandsmitglieder des Bürgervereins werden an jedem Tag ein Licht in Gestalt einer Laterne zu den jeweils um 18 Uhr beginnenden und 20 – 30 Minuten dauernden kleinen Veranstaltungen bringen. Dieses Licht wird als adventliches Bindeglied die Mitwirkenden und Zuhörer*innen durch alle 23 Tage begleiten.

 Wenn Sie Lust zum Mitmachen haben und Ihre Mitmenschen in der Wiehre mit Ihren Darbietungen erfreuen möchten, dann melden Sie sich bitte mit Terminvorschlägen bis zum Redaktionsschluss für das letzte Wiehre Journal in diesem Jahr am 03. November 2021 unter: 

soziales.kultur@buergerverein-wiehre.de

oder telefonisch: 0171 3815444

Dr. Gabriele Denz-Seibert

2021-09-08T11:16:46+02:0008.09.2021|Kategorien: Allgemein|Kommentare deaktiviert für Vielleicht erinnern Sie sich? Ein Lichtlein statt des Lichtermeers

Notizen aus den Pfarrgemeinden

Personelle Veränderungen in der Christuskirche

Seit fünf Jahren hatte das Ehepaar Dres. Slenczka die Leitung des Predigtbezirks Christuskirche der Evangelischen Pfarrgemeinde Freiburg-Ost gemeinsam inne. 

Nunmehr wird künftig Pfarrerin Dr. Alwine Slenczka diese Aufgabe alleine übernehmen. Ihr Mann, Dr. Björn Slenczka, ist ab 01. September 2021 Theologischer Vorstand des Diakoniekrankenhauses im Freiburger Westen.

Dies war Anlass zu einem feierlichen Abend-Gottesdienst am 18. Juli 2021 in der Christuskirche, bei dem die sich ändernden Ämter des Ehepaars den Anwesenden offiziell verkündet wurden und der anschließende Empfang im Garten des Pfarrhauses dies heiter und freundlich vermittelte. 

Anwesend waren Verantwortliche des Predigtbezirks, der stellvertretende Dekan, aber auch Mitgestalter der Ökumene im Quartier wie Pfarrer Schweiger (Johanneskirche) sowie zahlreiche Kirchenmitglieder. 

In den Reden wurde Pfarrer Slenczka u.a. als bisheriger Beauftragter der Evangelischen Kirche zur seelsorgerischen Gestaltung des neuen Stadtteils Dietenbach gewürdigt wie auch seine Freude an der bisherigen Gemeindearbeit in unserem Quartier, die nunmehr durch Pfarrerin Slenczka gemeinsam mit den Ehrenamtlichen der Gemeinde zu tragen ist.

Die Christus-Kirchengemeinde hat durch die intensive Arbeit der Familie Slenczka an Profil gewonnen. Die Schwerpunkte Kirchenmusik und Literatur wurden auf- bzw. ausgebaut und die Zusammenarbeit mit den diakonischen und kirchlichen Einrichtungen im Umfeld vertieft. Auch der Blick zu den beiden Türmen der Johanniskirche wird weniger isoliert gesehen, das Gemeinschaftliche verstärkt.

Klaus Füsslin

 

Gelungene Restoration

Seit langer Zeit fehlte der Jesusfigur auf dem Annaplatz der linke Arm. Eine Initiative verschiedener Personen rund um den Annaplatz hat jetzt Sorge getragen für die Restoration, die sehr gut gelungen ist. Nicht nur der Arm wurde neu geschaffen, auch das gesamte Wegkreuz erstrahlt in neuem Glanz. Ausführender Steinmetz war Matthias Hartmann. Die Kosten teilten sich die Kirchengemeinde und die Stadt Freiburg. Das Kreuz wurde feierlich bei einer Heiligen Messe am Sonntag, den 4. Juli 2021 um 09:30 Uhr wieder eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. 

Michael Schweiger

 

Und noch einmal Annaplatz

Aus der Perspektive des Fotografen könnte man meinen, die Form des heiß ersehnten und nun von der Stadt gestellten Abfalleimers sei den Kirchenfenstern angeglichen. Ist aber wohl mitnichten so. Das futuristisch anmutende Hochglanz-outfit und der Standort an der Kirchenmauer waren für manche gewöhnungsbedürftig. Aber wenn man dem geschenkten Gaul ins Maul schaut, geht da wirklich sehr viel Abfall hinein. Also meckern wir nicht, sondern sind der Stadt dankbar.

Loretta Lorenz

2021-09-08T11:15:38+02:0008.09.2021|Kategorien: Allgemein|Kommentare deaktiviert für Notizen aus den Pfarrgemeinden
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