vor allem die nach transparenter Information und klaren Verantwortlichkeiten.
Anfang des Jahres begann die Badenova in der Quäkerstraße mit der Verlegung neuer Wasserleitungen – bis ein fachkundiger Bürger kam und mit einfachen Mitteln die locker aufgeworfenen, unbedeckten Bauschutthaufen auf dem leeren Parkplatz am Neuen Wiehrebahnhof auf Schadstoffe testete.
Was er fand, machten Radio Dreyeckland am 12. Februar 2026 und 13 Tage später die SWR Landesschau öffentlich: PAK belasteten Altteer – hochgiftig, krebserregend, ein Relikt aus Zeiten, in denen solche Stoffe bedenkenlos unter Straßen verbaut wurden (PAK=polyzyklisch aromatische Kohlenwasserstoffe).
Dieser Fund ist nun kein Wiehremer Kuriosum. Fachleuten ist bekannt, dass unter vielen Straßendecken in ganz Deutschland PAK schlummern. Für solche Fälle existieren zahlreiche Verordnungen, die regeln, wie dann beim Aufriss des Straßenbelags vorzugehen ist. Unglücklich ist, dass es in Freiburg kein entsprechendes Kataster gibt. Deshalb sind vor geplanten Straßenbaumaßnahmen Probebohrungen nötig, die bei positivem Befund zu besonderen Schutzmaßnahmen – vor allem für die Straßenbauarbeiter – und zur fachgerechten Entsorgung des belasteten Materials führen sollten. Aus welchem Grund das in der Quäkerstraße offenbar nicht geschehen ist und aus welchem Grund die großen, in Teilen unabgedeckten mit Teerbrocken durchsetzten Erdhügel für Wasser, Luft und spielende Kinder zugänglich auf dem Parkplatz des Neuen Wiehrebahnhofs gelagert wurden – der seit Einführung der Parkuhr so schön leer ist – blieb offen.
Aber es ist v.a. der Umgang der Stadt und der Badenova mit den Bürgerinnen und Bürgern angesichts dieses aufgedeckten Fundes, der weitere Fragen aufwirft.
So erklärt der Leiter des Umweltschutzamtes im Umweltausschuss, dass jeder naiv sei, der glauben würde, die Vielzahl von Baustellen würde auf die Einhaltung der Schutzbestimmungen kontrolliert werden (können). Der Leiter des Garten- und Tiefbauamts gibt die Auskunft, dass allein der Baustellenbetreiber für die Einhaltung der Arbeits-, Gesundheit- und Umweltschutzbestimmungen verantwortlich ist und ergänzt, dass die Stadt bei ihren Baustellen Probebohrungen durchführen ließe und dies schon in den Ausschreibungen erwähnen würde.
Baustellenbetreiberin ist die Badenova. Auf eine Anfrage der Redaktion reagierte die Badenova zunächst am 13. März 2026 mit einer wortreich vertröstenden Antwort. Erst am 19. März 2026 folgte eine konkrete Stellungnahme: Die aktuellen Laborbefunde zeigen, dass die Werte deutlich unter den in Baden-Württemberg geltenden Grenzwerten liegen und die Luftprobe keinerlei PAK-Belastung aufweist.
Dem widerspricht nun Nick Geiler (Dipl.Biologe, regioWASSER e.V.). Er macht geltend, dass die Proben erst mehrere Tage nach Baubeginn genommen wurden – also erst, nachdem interveniert worden war. Zu diesem Zeitpunkt sei bereits ein großer Teil der PAK „verdunstet“. Hohe Konzentrationen träten vor allem dann auf, wenn der alte Teerbelag aufgeschnitten werde und wenn durch Baggerarbeiten der alte Teerbelag in der Grabentraße aufgebrochen werde. Dabei entstünden frische Schneid- und Bruchkanten, über die die PAK aus dem Teer in den „Luftpfad“ übertreten könnten. In dieser kritischen Phase sei dann auch mit einer Gefährdung der dort beschäftigten Arbeiter zu rechnen.
So weit, so gut – oder eben doch nicht?
Was bleibt, ist ein fades Geschmäckle und die Frage, warum die Badenova erst jetzt „den Vorgang zum Anlass nehmen wird, interne Abläufe weiter zu optimieren, wozu zukünftig vorsorgliche Probeentnahmen bei vergleichbaren Maßnahmen gehören sollen“, als wären vorsorgliche Kernbohrungen bei Teerverdacht zur Feststellung von PAK-Kontaminierung nicht längst gesetzlich vorgeschrieben.
Die Baustelle ist inzwischen von allem Erdaushub geräumt, die Baugräben liegen in der halben Quäkerstraße offen, die Baustelle wirkt verlassen. Ursprünglich hatte die Badenova laut Anwohnerschaft per Handzettel eine ca. zweiwöchige Baumaßnahme angekündigt. Nun warten die Anwohnerinnen und Anwohner, ganz ohne weitere Handzettel-Informationen, seit über zwei Monaten auf den Wiedererhalt ihrer Parkplätze und ihrer (Seelen-)Ruhe. Warten wir mit Ihnen solidarisch weiter.
Loretta Lorenz
