Das Freiburger Stadtarchiv präsentiert in seiner ersten Ausstellung am neuen Standort am Neuen Messplatz „Langemarckstraßen – in Freiburg und anderswo“ die Geschichte der Langemarckstraßen in Deutschland. Diese Straßen sind nach dem belgischen Ort Langemarck benannt, der im Ersten Weltkrieg zum Mythos eines „Opfertods der deutschen Jugend“ stilisiert wurde. Die Ausstellung zeigt Exponate wie Originaldokumente aus dem Freiburger Stadtarchiv (u.a. den Schriftverkehr von 1932 zwischen dem damaligen Oberbürgermeister Franz Kerber und dem Schriftsteller Willhelm Kotzde-Kottenrodt, der maßgeblich für die Straßenbenennung im Quartier verantwortlich war), Aktionsplakate aus den 90er Jahren und Informationen zur Entstehung des Quartiers Unterwiehre. Sie ist Teil des Projekts „A street called Langemarck“ und wird als Wanderausstellung in den 32 deutschen Städten gezeigt., in denen eine solche Straße existiert. Jede Stadt ergänzt die Ausstellung mit ihrer eigenen Geschichte. Freiburg steuerte drei Rollups und zwei Vitrinen bei, die den „Mythos Langemarck“ beleuchten.

Das Thema Straßennamen im früheren „Heldenviertel“-Unterwiehre hat eine lange Tradition. Bereits 1996 und 2001 gab es Initiativen zur Umbenennung, die jedoch scheiterten. Stattdessen wurden Zusatzschilder mit historischen Informationen angebracht, die später wieder auf Wunsch der Anwohnerschaft entfernt wurden. 2016 wurde die „Gallwitzstraße“ in „Matthias-Erzberger-Straße“ umbenannt, weitere Straßennamen blieben jedoch unverändert. Eine kreative Gruppe thematisierte 2019 die Diskussion erneut, indem sie die Straßen über Nacht mit Namen von fiktiven Helden aus Graphic Novels umbenannte. Diese Aktion wurde zwar schnell rückgängig gemacht, regte jedoch einen Diskurs an.

Im Oktober 2025 war das Thema bei der „OB vor Ort“-Veranstaltung des Oberbürgermeisters erneut präsent. Die Quartiersarbeit Unterwiehre hat das Stadtarchiv eingeladen, die Diskussion über die Straßennamen im Rahmen der aktuellen Ausstellung wieder aufzugreifen. Aktuell befindet man sich im Austausch darüber, wie eine solche Abendveranstaltung aussehen und gestaltet werden könnte.

Ingo Heckwolf,

Quartiersbüro Westlich der Merzhauser Straße

Die Ausstellung läuft bis zum 19. Juni 2026 im Stadtarchiv Freiburg. Führungen finden jeden Mittwoch um 15:00 Uhr statt.