Gutes dauert manchmal etwas länger. Ganze 17 Jahre vergingen von der ersten konkreten Planung bis zur Fertigstellung des Neubaus des Corps Hubertia. In den 1960er Jahren war das Corps vom heutigen Schlossbergring in die Fürstenbergstraße 23 umgezogen; an den historischen Altbau wurde damals ein Wohnheim angebaut. Der enorme technische Aufwand, den 60er‑Jahre‑Anbau zu sanieren, sowie drohende Setzungsrisse, die ein Auseinanderbrechen des Altbaus befürchten ließen, machten schließlich ab 2009 eine grundlegende Neubauplanung notwendig. Hinzu kamen umfangreiche Vorgaben des Denkmalschutzes, die sorgfältig abgewogen werden mussten. Auch der Gestaltungsbeirat zeigte sich anfangs nicht überzeugt vom ersten Entwurf des Architekten.
Anfang 2023 erfolgte der Abriss – und bereits im Sommer begann der Neubau. Eine sogenannte „weiche Lehmlinse“ im Untergrund erforderte eine besonders aufwändige Gründung: Insgesamt 28 Säulen tragen nun die beiden Gebäude auf festem Boden in rund acht Metern Tiefe. Die Wände wurden klassisch gemauert; Beton kam nur dort zum Einsatz, wo er aus statischen Gründen oder für den Brandschutz unverzichtbar ist.
Entstanden sind zwei voneinander abgesetzte Gebäude: ein Wohnheim mit sechs Wohngemeinschaften von jeweils etwa 120 Quadratmetern und vier bis fünf Zimmern sowie zwei zusätzlichen Appartements. Bewusst verzichtete man auf kleine Einzelzimmer – der Gemeinschaftsgedanke und das Grundverständnis des Corps Hubertia, eine neutrale Haltung zu pflegen, spiegeln sich auch hier wider. Bei der Vermietung an Studierende und Auszubildende spielen Nationalität, Religion oder politische Weltanschauung keine Rolle. Technisch entspricht das Wohnheim dem neuesten Stand: eine 22 kWp Solaranlage unterstützt die Energieversorgung, Wärmepumpen und eine gute Dämmung sorgen für ein angenehmes Raumklima.
Das Verbindungshaus wurde auf dem alten Fundament neu errichtet. Im Innern entstanden ein Festsaal mit Profiküche, eine Lounge sowie moderne Sanitäran-lagen; im Obergeschoss befinden sich WG-Zimmer, das Dachgeschoss beherbergt eine Bibliothek. Das ursprünglich gedrungene und tiefer liegende Gebäude wurde „angehoben“, ohne seine Proportionen zu verlieren. Hochwertige Materialien – Sandsteingewände, Biberschwanzziegel, kupferne Blechverwahrungen – unterstreichen den Nachhaltigkeitsgedanken dieses gelungenen Neubaus, der auf seiner Südseite zudem einen besonderen architektonischen Hingucker bietet.
Parallel dazu gestaltet die Stadt Freiburg derzeit auch den Platz an der Ecke Fürstenbergstraße und Türkenlouisstraße neu – ein weiteres kleines Schmuckstück, das unser Quartier bereichern wird.
Wilhelm Sievers
