Neue Chancen für das Feuerwehrhaus
Die geplante Bebauung im Hof des Feuerwehrhauses scheint vorerst gestoppt. Stadt, Gemeinderat und Bürgerschaft sollten sich über die Entwicklung des einzigartigen Denkmals erneut Gedanken machen.
Der Bürgerverein (BV) setzt sich seit Langem dafür ein, das Feuerwehrhaus am Annaplatz in seiner Einzigartigkeit zu bewahren und es mittel- und langfristig einer zumindest teilweisen Nutzung für die Bürgerschaft zu öffnen. Die vom BV scharf kritisierten Verkaufspläne für das im Hof gelegene Teilstück (s. WJ Nr. 47/2016) sind scheinbar vorerst gescheitert. Dies teilte Erster Bürgermeister Otto Neideck am Rande des Stadtentwicklungsausschusses mit. Damit bietet sich aus Sicht des BVs erneut die Chance die Zukunft von Haus und Platz neu zu überdenken.
Das Feuerwehrhaus dient derzeit als Wohnhaus mit Belegwohnungsraum. Die alte Feuerwehrgarage mit ihren markanten Jugendstilbögen ist derzeit privat vermietet. Bislang hatte die Stadt Stell- und Garagenplätze im Hofgelände zum Teil an Anwohner der Kirchstraße / Annaplatz vermietet. Diese mussten zum 31.12.2016 die Plätze räumen. Die Stadt hatte vor, das verhältnismäßig kleine Flurstück als Baugrund für Wohnzwecke zu veräußern. Schon als die Stadt vor einigen Jahren intern die Bebaubarkeit prüfte, regte sich lebhafter Protest. Der BV war alarmiert.
Keine Privatisierung – Kein Luxus – Kein „Chai-Latte-Revier“
Das Feuerwehrhaus in seiner heutigen Verfassung stellt zweifellos einen „Rohdiamanten“ dar. Wohl wenige Funktions- oder Zweckbauten aus dem Jugendstil dürften noch so ganzheitlich erhalten sein. Seine markante Gestalt trägt wesentlich zum Charakter des Annaplatzes als einem der intimsten Ensembles unserer Stadt bei. Der Hof bietet Fläche und Platz. Ja, er lädt ein, sich Gedanken zu machen.
Aus Sicht des BV sollte klar sein, dass das Feuerwehrhaus unbedingt in städtischer Hand behalten werden sollte. Jede (Teil-)Privatisierung ginge unausweichlich mit einer von Seiten der Bürgerschaft nicht gewünschten Gentrifizierung einher. Kurz: Das Feuerwehrhaus darf kein Luxus-Sanierungsobjekt werden. Aus Sicht des BV sollte auch Gastronomie keinen Einzug in die alte Spritzenhalle halten. Die Gastrodichte (vier Restaurants) in unmittelbarer Nachbarschaft ist schon heute maximal. Einer Kommerzialisierung des Annaplatzes zum „Chai-Latte-Revier“ sollte eine Absage erteilt werden.
Bürgerbegegnungsstätte
Was aber fehlt und was in städtischer Hand möglich wäre, ist die Entwicklung des Feuerwehrhauses zu einem Ort der Begegnung für Bürger. Ergänzt durch einen entsprechenden Anbau im Hof könnte hier die Stadt einen Begegnungs- und Kreativraum entwickeln, der dem Ort und den drängenden Bedürfnissen der Bürger und Vereine nach Raum für Veranstaltungen Rechnung tragen könnte.
Justus Kampp