Viele Haus- und Wohnungsbesitzer stehen vor der Frage, in welches Heizsystem sie in Zukunft investieren sollen. Der Masterplan Wärme der Stadt Freiburg sieht für die Wiehre in absehbarer Zukunft keine Fernwärme vor. Wir berich-teten im letzten Wiehre Journal über diese unversorgte „graue Fläche“. Wir sind herausgefordert, alternative Heizsysteme zu prüfen. „KNIFF“ steht für einen besonders effizienten Ansatz zur zukünftigen Wärmeversorgung.
Vorstandsmitglied Willi Sievers befragt den in der Kirchstraße wohnhaften Physiker Matthias Zähringer.
Wer verbirgt sich hinter dieser Initiative?
KNIFF ist die Abkürzung für Kalte-Nahwärme-Initiative für Freiburg. Wir wollen die Nutzung von kalter Nahwärme für klimafreundliches und auch in Zukunft bezahlbares Heizen ermöglichen und damit einen Beitrag zur Klimaneutralität unserer Stadt leisten.
Kalte Nahwärme klingt erst einmal wie ein Widerspruch. Aber jeder, der eine Wärmepumpe betreibt, benötigt ein geeignetes Wärmereservoir, aus dem die Wärmepumpe die notwendige Heizenergie „herauspumpt“. Das kann besonders kaltes Wasser sein. Ein kaltes Nahwärmenetz versorgt alle seine „Kunden“ mit einem Anschluss an ein entsprechendes Netz. Damit erübrigen sich Luft-Wärmetauscher am Haus oder Bohrungen auf dem Grundstück für Erdsonden.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, diese Initiative in Freiburg zu starten?
Auf einem Klassentreffen letzten Herbst erzählte mir Philipp Metz aus Bremen von dem dortigen Projekt „Erdwärmedich“. Mich hat das schon nach wenigen Minuten überzeugt, dass das auch für Freiburg eine gute Idee ist. Die Bremer haben sich zu einem Verein und einer Genossenschaft organisiert und sind schon dabei, ein erstes Pilot-Cluster zu realisieren und haben nebenbei etliche Umweltpreise bekommen.
Was genau hat man sich unter so einem Cluster bzw. nahem Erdwärmenetz vorzustellen?
Dieses Cluster hat drei Komponenten: Erdwärmesonden als Wärmetauscher (Bohrungen), ein Leitungsnetz, das die Bohrungen mit den Abnehmern verbindet und als dritte Komponente je eine Wärmepumpe in jeder angeschlossenen Wohneinheit. Sonden und Leitungsnetz sind gemeinschaftliches Eigentum der Genossenschaft, die Wärmepumpe betreibt jeder in eigener Regie und auf eigene Kosten.
Wie lässt sich das in der Wiehre realisieren – kann man das Bremer Konzept übernehmen?
Ja. Die Wiehre ist mit ihrem relativ dichten Altbaubestand absolut geeignet für ein kaltes Nahwärmenetz. Auch andere vergleichbare Stadtteile kämen dafür in Frage, aber weil ich nun mal in der Wiehre wohne, fange ich hier an. Ich stelle mir vor, dass hier mehrere Cluster für typischerweise 30–80 Wohnungen realisiert werden, die jeweils zwei bis drei Straßenzüge umfassen. Beispielsweise könnte man so etwas mit der Kirch- und der Konradstraße beginnen. Auf der Homepage von www.erdwaermedich.de kann man sich das sehr schön ansehen, wie ein solches Cluster aussieht.
Was kostet ein solches Netz und wie soll das finanziert werden?
Genaue Kosten kann man zum jetzigen Zeitpunkt natürlich nicht angeben. Grundsätzlich kann man sagen, dass ein Anschluss an ein kaltes Nahwärmenetz günstiger ist als individuell vorgenommene Bohrungen für Erdsonden. Die Projektierung, Genehmigung und Ausschreibung von einer hohen zweistelligen Zahl von Sonden ergeben einen spürbaren „Mengenrabatt“. Auch gibt es weitere Synergieeffekte, die sich positiv auswirken. Gegenüber einer Luft-Wärmepumpe sind die Investitionskosten höher, aber diese Differenz amortisiert sich schon sehr bald durch die bessere Effizienz.
Die Projektierung solcher Netze wird durch die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) mit 50% gefördert, für das Netz selbst und die Wärmepumpen gibt es 40% Förderung. Im Bremer Modell wird der Rest durch die Genossenschaft vorfinanziert, und jeder Nutzer muss durch monatliche Entgelte diese Kredite durch die mit dem neuen Heizsystem erreichten Einsparungen amortisieren. Damit ist die Sache auch für Leute mit kleinem Geldbeutel finanzierbar.
Was sagt die Stadt Freiburg dazu?
Grundsätzlich ist die Stadt natürlich froh um jeden Beitrag, der dem gemeinsamen Ziel der Klimaneutralität dient. Entsprechend sind erste Rückmeldungen, die ich erhalten habe. Belastbare Aussagen bekommen wir natürlich erst dann, wenn es konkret wird. Aber dafür stehen wir erst noch am Anfang.
Und wie soll es jetzt weitergehen?
Was wir jetzt brauchen, sind engagierte und überzeugte Eigentümer, die das Projekt voranbringen und mittragen. Die konkrete Umsetzung erfolgt in der Zusammenarbeit mit der Stadt.
Als nächstes laden wir alle Interessierte zu einem Infoabend ein. Ein Referent aus Bremen ist angefragt. Vertreter der Stadt sind eingeladen. Es erwartet Sie ein besonderer Abend, den wir im nächsten Heft rechtzeitig mit Ort- und Zeitangaben bekanntgeben werden.
Wilhelm Sievers