Auf die Anfrage des Bürgervereins nach einer frühzeitigen Beteiligung der Bürger*innen an der Neugestaltung des Gerwigplatzes hat der Erste Bürgermeister und Baubürgermeister der Stadt Freiburg, Prof. Dr. Martin Haag, mit einem Schreiben vom 23. Juni 2026 geantwortet.
Die Antwort fällt ernüchternd aus: Eine frühzeitige Bürgerbeteiligung, wie sie vom Bürgerverein angeregt wurde, wird von der Stadt zunächst nicht aufgegriffen. Stattdessen soll zunächst eine Reihe von planerischen und städtebaulichen Rahmenbedingungen geklärt werden. Genannt werden insbesondere die weiteren Entwicklungsabsichten der Baugenossenschaft Familienheim, Abstimmungen mit der Deutschen Bahn sowie die mögliche ergänzende Wohnbebauung im Umfeld des Gerwigplatzes.
Die Stadt begründet die Zurückstellung damit, dass eine „isolierte Betrachtung des Gerwigplatzes“ und ein vorgezogener Beteiligungsprozess nicht „zielführend“ seien. Damit wird die Bürgerbeteiligung jedoch zeitlich hinter die Klärung wesentlicher planerischer Fragen gestellt. Die Bürger*innen sollen also zunächst abwarten, während Verwaltung und beteiligte Institutionen die für die weitere Entwicklung maßgeblichen Rahmenbedingungen festlegen.
Zwar betont die Stadt, dass die Öffentlichkeit, die Bürgervereine und die Bürger*innen „zur gegebenen Zeit“ einbezogen werden sollen. Wann genau diese Beteiligung beginnt und welchen Einfluss die Bürger*innen tatsächlich noch auf die Planung nehmen können, bleibt jedoch offen. Als lediglich vage Perspektive werden erste Veranstaltungen „im Laufe des kommenden Jahres“, also 2027, genannt.
Für den Bürgerverein bleibt deshalb die Frage offen, wie sichergestellt werden kann, dass die Bürgerbeteiligung tatsächlich nicht erst dann beginnt, wenn wesentliche Entscheidungen über die zukünftige Entwicklung des Gerwigplatzes bereits getroffen oder vorgezeichnet sind.
Nun haben unsere Fragen in Heft 94 zur Neugestaltung des Gerwigplatzes in der Bürgerschaft viel Interesse gefunden (siehe Heft 95 Seite 7) .
Da die Stadt uns erst „mittelfristig“ hinzuziehen will, wenn vieles schon gelaufen ist, müssen wir unseren Einfluss vielleicht über andere Wege suchen.
Eine kurzfristige Möglichkeit wäre z.B. eine Teilnahme an der von den Grünen initiierten Begehung des Viertels am 28. September um 18 Uhr mit Treffpunkt vor dem Neuen Wiehrebahnhof, mit anschließendem Austausch über weiteres Vorgehen oder eben Nachsehen in Sachen wirklicher Bürgerbeteiligung. Mit dabei sein wird u.a. die grüne Stadträtin Christine Frank und Mitglieder unseres Vorstands.
Menschen mit planerischen Kernkompetenzen, gesicherten Ortskenntnissen und kreativen Ideen gibt es schließlich auch außerhalb der städtischen Bürosessel.
Loretta Lorenz