Eine Nuss, ein Stein – und knack! Mit sicherer Kinderhand saust der Stein herab und spaltet die Nuss. Ein kleiner Triumph, der große Freude auslöst: Die Kinder des Vereins Waldkinder e.V. bereiten Winterfutter für die Tiere des Waldes vor, um es später zu verteilen. Kein Wunder also, dass sich manche Waldbewohner*innen pünktlich zum Treffen der Waldkinder am gewohnten Platz einfinden, um die liebevoll zubereiteten Gaben entgegenzunehmen.

„Es ist wunderbar“, erzählt Kerstin, Erzieherin beim Verein Waldkinder e.V., „wie die Kinder in diesen Momenten still werden und die Tiere des Waldes wahrnehmen. Ganz nebenbei schulen die Kinder ihre Feinmotorik – und es werden ihnen Geschichten aus dem Leben des Eichhörnchens Fridolin erzählt, das in der Nähe des Treffpunkts wohnt und die Kinder regelmäßig besucht.“

Während einige Kinder konzentriert das Tierfutter herstellen, zieht es andere hinaus ins Abenteuer: Wer traut sich, den Hügel zu erklimmen, um anschließend auf dem Hosenboden durch die matschige Rinne wieder hinab zu sausen? Mit Geschick und viel Ehrgeiz klettern sie empor, nehmen Anlauf und rutschen mit einem fröhlichen Jauchzen den Berg hinunter. Sauber bleibt dabei niemand – doch glücklich sind alle.

Aus dieser Begeisterung für Natur und Bewegung ist der Verein Waldkinder e.V. entstanden. 1997 gründeten engagierte Eltern die Initiative, die heute als gemeinnützig anerkannt ist. Schon seit 1995 werden Kinder täglich dazu eingeladen, den Sternwald bei der Wonnhalde spielerisch zu entdecken. Bereits ab eineinhalb Jahren können die Kleinsten mit auf Abenteuerreise gehen – und nach oben sind keine Grenzen gesetzt: Die ältesten Waldkinder sind derzeit dreizehn Jahre alt. So werden die Kinder vom ersten neugierigen Schritt bis hinein ins Teenageralter begleitet und schaffen einen Ort, an dem Naturerleben und Gemeinschaft wachsen dürfen.

Der Alltag der Waldkinder ist dabei geprägt von Verlässlichkeit, Gemeinschaft und viel Zeit. Auf dem vertrauten Gelände im Sternwald und dem angrenzenden, fast paradiesischen Schutzhütten-gelände in der Schrebergartenanlage kehren die Kinder immer wieder an dieselben Orte zurück, kennen ihre Wege, ihre Rituale und ihre Bezugspersonen. Im freien Spiel, beim gemeinsamen Essen, Singen oder einfachen handwerklichen Tätigkeiten entstehen Freundschaften und ein starkes Gefühl von Geborgenheit. Die Kinder erleben den Wald als sicheren Lebensraum, in dem sie sich ausprobieren dürfen und zugleich Halt finden.

Neben dem Alltag im Wald gehören auch Ausflüge selbstverständlich zum festen Programm. Dank der guten Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel erobern die Kinder regelmäßig den Schauinsland mit der Seilbahn, und die Älteren dürfen sogar bis in die Abenddämmerung eine lange Wanderung hinab ins Tal unternehmen. Solche besonderen Erlebnisse zeigen immer wieder, wie verbindend die Natur sein kann: Aus zunächst fremden Kindern wird ein Team, das gemeinsam Aufgaben meistert – etwa ein Feuer zu entfachen, um sich zu wärmen oder kleine Leckereien darüber zuzubereiten.

Auch Freundschaften außerhalb des Waldes prägen das Vereinsleben. Eine besondere Verbindung besteht zu den Familien Asal und Rees aus Horben, deren Höfe die Jüngsten regelmäßig besuchen und dabei den direkten Kontakt mit den Tieren erleben. Und wenn im Winter der erste Schnee fällt, heißt es für die Kinder: Schlittenkufen wachsen und gemeinsam mit den Erzieherinnen und Erziehern die Rodelhänge in Hinterzarten erobern.

„Wenn mein Kind von den Ausflügen zurückkommt, leuchten ihre Augen und der Mund kann kaum still sein. Es ist wunderbar zu sehen, mit welcher Liebe und Hingabe unsere Kinder in unserem schönen Lebensraum begleitet werden. Die Waldkinder sind eine Bereicherung unseres Alltags, die nicht mehr wegzudenken ist!“, berichtet eine Mutter, deren drittes Kind bereits Teil der Waldkinder ist.

Damit dieses besondere Miteinander weiterwachsen kann, wird der Verein stetig weiterentwickelt. Für 2026 soll das Angebot erweitert werden, um vielen weiteren Kindern die Möglichkeit zu geben, erste Abenteuer in der Natur zu erleben. Geplant ist dafür die Sanierung des Bauwagens und des Geländes, sodass ein sicherer und liebevoll gestalteter Ort entsteht, an dem kleine Hände und große Herzen gemeinsam entdecken dürfen.

Doch als kleiner Verein mit begrenzten Mitteln ist er auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Weitere Informationen findet man unter www.waldkinder.net oder auf Instagram unter @waldkinderfreiburg.

Katharina Kornmayer und Markus Ohler