Ein erneuter Hitzesommer mit noch höheren Temperaturen als in den Jahren zuvor liegt nun hinter uns. So manchen unter uns erging es schon wie den Blättern so vieler Pflanzen: Die Kraft und die Stimmung tendierten nach unten, die Hitzebelastung zeigte deutliche Spuren.

Gewiss, über die Hitze ist in den Medien einiges geschrieben und gesagt worden, wie meist, wenn Katastrophen oder für viele Menschen belastende Ereignisse auftreten. Auch dieses Jahr war geprägt von extremer Hitze – in Süddeutschland, in Freiburg und in der Wiehre.

Was bedeutet dieser Wandel des Klimas mit Extremwetter-ereignissen konkret für die Wiehre? Wodurch ist die Sommerlage in den letzten Jahren und auch dieses Jahr gekennzeichnet? Die Landoberflächentemperatur wird von Satelliten gemessen und zeigt, was die meisten von uns schon wissen: Je höher die Versiegelung und je größer die Siedlungsverdichtung, desto höher die Temperatur.

Auch die Unter- und Mittelwiehre ist eine Wärmeinsel, zumindest hinsichtlich der bebauten Flächen: Die städtebaulich dichte Struktur der Wiehre fängt viel Wärme ein und weist eine hohe Wärmespeichermasse auf.

Dass wir durch den Sternwald nahezu eine Oase vorfinden, wird auf den Satellitenansichten eindrücklich deutlich. Der ebenfalls durch Hitze und Dürre belastete Wald erweist sich als kühlender Faktor. In den Nachtstunden durchströmt der sogenannte „Höllentäler“ die Wärmeinsel Wiehre und verschafft ihr und ihren Bewohner*innen Abkühlung.

 

Die Unter- und Mittelwiehre und ihre Straßen

Extreme Temperaturen von über 50 °C in der Sonne können dazu führen, dass auf dem Asphalt sogar 60 °C und mehr gemessen werden. Dieser kann dann aufplatzen oder sich wellen. Leider sind in der Wiehre sogar die meisten Gehwege mit Asphalt versiegelt. Dies muss nicht so bleiben und kann geändert werden.

Obwohl die meisten Wiehremer*innen die Straßen nicht als breit bezeichnen würden, sind sie doch so breit, dass sie einer hohen Sonnenbestrahlung ausgesetzt sind. Die Häuser werfen in der Regel keinen Schatten, sodass sich dieser Raum stark erhitzt und nicht zur Abkühlung zur Verfügung steht. Die Wärme wird eingelagert!

Wer einen Baum vor seinem Gebäude stehen hat, weiß ihn gerade im Sommer als Schattenspender zu schätzen. Ihn mit Regenwasser zu bewässern, kann helfen, die dem
Hitzestress ausgesetzten Bäume zu bewahren. Bei der
Begrünung der Straßen, etwa durch hitzeresistente Baumpflanzungen, gibt es in der Wiehre noch erheblichen Handlungsbedarf.

 

Und unsere Häuser?

Die meisten Gebäude verfügen in der Mittelwiehre über hohe Räume, außen angebrachte Rollläden oder Schlagläden, manche auch über Markisen für Balkone zum Abdunkeln. Relativ dicke Mauern aus oftmals natürlichen Materialien (z. B. Backstein) können allerdings auch als Speichermasse wirken.

Nach Süden ausgerichtete Geschosse unter darüber liegenden Balkonen erhalten seit Jahrzehnten in der Wiehre einen baulichen Sonnenschutz. Auch die Hauswände sind meist in hellen Farben gehalten. Begrünte Dächer sind für die meisten Gebäude in der Wiehre leider nicht umsetzbar, und auch eine mit „wildem Wein“ versehene Fassade findet sich eher selten. Anzuraten ist dies ohnehin nur eingeschränkt, da diese Pflanzen Feuchtigkeit speichern und dadurch der Außenhaut des Gebäudes Schaden zufügen können.

Besonders wer im Dachgeschoss wohnt, hat sich dieses Jahr gewiss die Frage gestellt, ob die Anschaffung eines Raumkühlgerätes nicht sinnvoll wäre. Die Dachflächen, besonders bei dunklen Dachziegeln, erhitzen sich enorm, und auch die Innendämmung kann dies nur bedingt reduzieren. Eine Idee dazu: Wenn schon ein Kühlgerät, dann mit Photovoltaik betrieben, denn Sonneneinstrahlung und Kühlgerät sind dann aufeinander abgestimmt.

Wetterextreme wie Hitze sind in Mitteleuropa, soweit es die Archivmaterialien hergeben, keine neue Erscheinung. Bereits im Jahr 1000 und im 15./16. Jahrhundert litten Natur und Menschen unter Wasserarmut und Dürre. Flüsse – wie der Rhein – trockneten nahezu aus, das Laub fiel bereits im August, so im Jahre 1540 – und auch dieses Jahr – und Missernten verschärften die Ernährungslage.

All dies wissen wir heute, und uns sind viele der komplexen Ursachen bekannt. Sind wir auch auf die Folgen effizient vorbereitet? Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt. Diese kann bereits im Herbst in den Blick genommen werden, denn dann ist Zeit Angebote einzuholen. Vielleicht können Ihnen folgende Ideen und Tipps dabei helfen?

Ideen und Tipps – jede kleine Maßnahme kann helfen

Gebäude/Wohnung

  • Außenrollläden oder Schlagläden an allen beschienenen Fenstern
  • durch Photovoltaik gespeiste Klimaanlagen, evtl. Splitanlage
  • Dachinnendämmung
  • außenliegende Markisen
  • Sonnensegel oder Textilschirme auf Balkonen und Terrassen
  • helle, reflektierende Farben für Fassaden, Dächer und Böden

Außenbereich

  • weißer Kies statt Asphalt
  • Rasengittersteine
  • Regenwassertonnen installieren

Begrünung

Hitzeresistente Pflanzen auf Balkonen (in Balkonkästen mit Wasserreservoir) und in Gärten, wie z. B. Steppen-Salbei (Salvia nemorosa), Rosmarin (Rosmarinus officinalis), Sonnenhut (Echinacea), Ginster (Genista), Oleander (Nerium oleander), Feldahorn (Acer campestre) und Robinie (Robinia pseudoacacia).

Maßnahmen der Stadtverwaltung und nachbarschaftliche Projekte

  • Flächen entsiegeln: versiegelte Flächen (z. B. Hofeinfahrten, Wege) durch durchlässige Beläge ersetzen, Kies, Rasengittersteine oder wassergebundene Decken speichern weniger Hitze.
  • „Kühle Inseln“ (z. B. begrünte Innenhöfe) schaffen
  • schattenspendende Straßenmöbel (z. B. Pavillons, Sonnenschirme) in Gemeinschaftsbereichen aufstellen
  • Am wirkungsvollsten ist die Kombination aus Begrünung, Verschattung und Entsiegelung.

Claus Ramsperger