Der zurückliegende klingende Adventskalender begleitete die Wiehremer Bürgerinnen und Bürger schon zum vierten Mal durch die Adventszeit. In diesem Jahr bildete er zugleich den stimmungsvollen Abschluss des Jubiläumsjahrs „150 Jahre Bürgervereine der Wiehre“.
Schon früh im Herbst konnten wir uns über zahlreiche Anfragen zum Mitmachen sowohl von neuen Interessent*innen als auch von schon bekannten Formationen freuen und so in kurzer Zeit ein vielfältiges buntes Programm zusammenstellen. Auch das Wetter war auf unserer Seite: keine größeren Wintereinbrüche, erträgliche Kälte, wenig Regen oder Schnee – ideale Bedingungen für unsere Künstlerinnen und Künstler, die im Freien auftraten. Wie in der Vergangenheit eröffneten wir den Adventskalender am 1. Dezember 2025 auf dem Annaplatz. Die festlichen Klänge des Bläserensembles der Friedenskirche unter der Leitung von Dorothea Rambaum und das bunte Liedprogramm des Chores „AnCHORa“ unter der Leitung von Martina Freytag schufen einen feierlichen Auftakt. Mit dem schon bekannten Lied „Hey, ich schenk Dir ’nen Kalender“ und warmem Punsch für Groß und Klein waren die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer bestens eingestimmt auf drei Wochen täglicher musikalischer Begegnungen.Beginnen wir mit den beiden Grundschulen unseres Quartiers. Die Kinder des Chores der Klassen 2–4 der Lorettoschule unter der Leitung von Alice Schneider sangen neben anderen Weihnachtsliedern „Wir denken nicht daran, uns einen Schirm zu kaufen“, ein im Advent gesungenes Lied, das in Zeiten des Klimawandels schon fast wie ein kindlicher Protestsong klang und gerade dadurch berührte. In gleichem Maße begeisterten die Schülerinnen und Schüler der Turnsee-schule unter der Leitung von Frau Ehret ihr großes Publikum mit Gesang und schwungvollen Tanzformationen. Sicht- und fühlbar bewegt zeigte sich die Zuhörerschaft vom Stück eines Flötentrios.
In der Fürstenbergstraße gab es gleich zwei Darbietungen: zum einen vom Vokalensemble „Moving Voices“ unter der Leitung von Ruth Schulze-Wessel mit Liedern vom Anfang und Ende der Nacht. Danach wurde das zahlreiche Publikum mit einem gemeinsam gesungenen Lied erfüllt in den Abend entlassen. Besonders bewegend waren zwei Auftritte des Gescher Chores, der einmal zusammen mit der „Schola Melisma“, einem gregorianischen Ensemble unter der Leitung von Beatrix Ott, in der Annakirche auftrat und danach zusammen mit dem Chor „Acchordiamo“ von Ruth Schulze-Wessel. Beide Auftritte fielen in die Zeit des Chanukka-Festes und haben mit ihren Liedern „Wir säen das Licht“ und „Gemeinsam auf dem Weg“ auf berührende Weise gezeigt, wie normal es ist, gemeinsam zu singen und angesichts der Krisen und Friedlosigkeit in der Welt zusammen das gleiche Ziel von Licht und Frieden im Herzen zu tragen.
Auf dem Annaplatz begeisterten die „Femmes vocales“ unter der Leitung von Sonja Kreiner wieder mit melancholischen und fröhlichen internationalen Liedern ihre Zuhörer*innen. Am 2. Advent konnten wir erstmals den georgischen Chor „Kirialesa“ in der Annakirche begrüßen. Die Sitzplätze reichten nicht aus für alle, die das A-Cappella-Konzert unter der Leitung von Gabriele Fangmeier hören wollten. Unter ihnen waren auch zahlreiche georgische Landsleute. Alle lauschten den traditionellen Gesängen zur Weihnacht wie auch den Volksliedern aus der jahrhundertealten musikalischen Kunst Georgiens, um mit einem gemeinsamen Weihnachtslied den klangvollen Abend zu beschließen.
Am Nikolaustag füllte sich die Halle des Neuen Wiehrebahnhofes rasch, wo die Besucher*innen nach Begrüßung durch den Nikolaus dem Chor „Klangart Wiehre“ unter der Leitung von Marion Oerding lauschten, um am Ende mit dem gemeinsamen „O du fröhliche“ den Heimweg anzutreten.
Viele sind auch in diesem Jahr wieder der Einladung ins Alte Klavierdepot gefolgt. Petra Gack las ganz besondere Texte und Gedichte, begleitet von Mike Schweizers wunderbar weihnachtlichen Saxophon-Variationen. Es war von Geheimnissen und dem Zauber der Advents- und Weihnachtszeit die Rede, versuchsweise in einem Textzitat zusammengefasst: „denn keiner, der den Weg nach Weihnachten wagt, geht ihn vergebens“.
Eine Veranstaltung war dem Jubiläumsjahr gewidmet und trug den Titel „Improvisationen zu einem Film über die Wiehre“. Mike Kaufmann-Portnikov (Klavier) gestaltete virtuos die musikalische Begleitung zu dem Film des ehemaligen Bürgervereinsvorsitzenden Eugen Reinwald. Mit feinem Gespür folgte er der Historie, den Orten und den Entwicklungen unseres Stadtteils und verwob diese Eindrücke zu einer eindrucksvollen musikalischen Erzählung. Durch seine Improvisationen über unterschiedlichste Musikstücke – von Klassik bis hin zu bekannten Filmmusiken – entstand eine Interpretation, die sowohl sensibel als auch kraftvoll wirkte.
Einen anderen Charakter hatte der Auftritt der Band „Moon-shine Pack“, die wir nach drei Jahren Pause wieder begrüßen durften. Am Fuße des Lorettoberges erklangen bei Punsch und Gugelhupf verschiedenste Rhythmen, gespielt von sechs Musiker*innen mit Banjo, Akkordeon, Kontrabass, Percussion und Mandoline sowie Gesang. Zu unserer großen Freude waren auch die „Balkan Bells“ aus der Konradstraße wieder dabei. Volker Rausenberger, der mit einem Akkordeon-Solo begeisterte, leitete die Gruppe mit fünf Akkordeons, Saxophon, Klarinette und Fagott. Es erklang ein bunter Strauß von Stücken aus verschiedenen Ländern, mit Glühwein und schönen Gesprächen im Anschluss.
Im Rosshaldeweg wurde das Publikum auch in diesem Jahr mit einem besonderen Hauskonzert weihnachtlich eingestimmt. Margrit Molt-Symalla (Klavier) und Beatrix Kirchhofer (Querflöte) ließen sehr eindrucksvoll die Hamburger Sonate von Carl Philipp Emanuel Bach erklingen. Zwischen den beiden Sätzen rezitierte Dorothea Spring zahlreiche weihnachtliche Gedichte. Erstmals beteiligte sich die Gruppe „Karaguna“ am Adventskalender. Trotz eines überraschend leicht defekten Saxophons erfreuten sie ihre Zuhörer*innen mit Stücken aus Klezmer und Jazz. Mit einem sehr eindrucksvollen Programm mit von Lukas Grimm jazzig arrangierten Weihnachtsliedern sang sich der Freiburger Kammerchor auch in diesem Jahr in die Herzen aller Zuhörer*innen. Sie bedankten sich mit nicht endendem Applaus. Im voll besetzten Saal des Weingut Dilger an der Urachstraße lauschte das Publikum dem Holzbläser-Trio mit Astrid Pechmann (Flöte), Christina Uherek (Oboe) und Felix Schaub (Klarinette). Sie brachten Stücke von Boccherini und Beethoven meisterlich zu Gehör, dazu eine Aubade, wunderbar leicht, ein Stück Frühling im Winter, gefolgt von tosendem Beifall. Eine andere Dynamik entfaltete im nächtlichen Garten an der Kuenzerstraße bei Feuerschale und Punsch die Marching Band „Kiss el Funk die Band mit der Laufmasche“. Sechs verschiedene Saxophone, Klarinette, Tuba und zwei Percussionisten spielten unter Leitung von Thomas G. Schoch ein vielfältiges Programm, das unter anhaltendem Applaus mit „Caravan“ von Duke Ellington endete. Auch die beiden „Wiehremer Jungs“, Ruben und Paul, die Gewinner des Wiehre Song Contest, begeisterten auf selbst gebauter Bühne und eindrucksvoller Beleuchtung mit Gesang, Geige und Kontrabass ihr überaus zahlreiches Publikum. Sie sangen nochmals ihr Gewinnerlied über die Wiehre, einige spanisch inspirierte Stücke und als Finale in nicht enden wollender Wiederholung „Feliz Navidad“, wobei die Zuhörer*innen kräftig und mit begeisternder Ausdauer mitsangen. Trotz heißem Glühwein wurden Füße und Hände immer kälter, sonst wäre der Abend noch länger geworden.
Den Abschluss des Adventskalenders am 22. Dezember 2025 gestalteten die „Gentimentals“ vor der Annakirche, die nach Jahren der Pause zu unserer großen Freude wieder dabei waren. Acht verschiedene Männerstimmen vom hellen Tenor bis zum tiefen Bass sangen nuanciert und facettenreich verschiedene Stücke von heiter, nachdenklich bis adventlich. Der klingende Adventskalender endete mit dem von allen gesungenen „Der Mond ist aufgegangen“. Welch‘ schöner verbindender Abschluss.
Nach unserem Eindruck durften wir drei außergewöhnlich schöne Wochen erleben – erfüllt von vielfältigen, wunderbaren Darbietungen und kreativen Ideen. Unser herzlicher Dank gilt allen Künstlerinnen und Künstlern für ihr Spiel, ihren Gesang, ihre Freude und ihre Bereitschaft, in der Adventszeit für ihr Publikum zu musizieren. Ebenso danken wir allen Zuhörerinnen und Zuhörern für ihr Kommen, ihre Aufmerksamkeit und ihre Unterstützung.
So entstand ein Stück gelebtes Miteinander in der Wiehre – einer heimatlichen Insel in einer friedlosen Welt.
Dr. Gabriele Denz-Seibert und der Vorstand des Bürgervereins
Weitere Fotos vom klingenden Adventskalender 2025 finden Sie auf unserer Webseite unter Veranstaltungen
