Viele von Ihnen haben es miterlebt, sind den Einladungen zu den Veranstaltungen gefolgt und haben sie noch in lebendiger Erinnerung. Dennoch möchten wir in einem kurzen Rückblick das Jubiläumsjahr nochmals vorüberziehen lassen. Denn es war ein besonderes Jahr im Leben unseres Stadtteiles: Die Wiehremer Bürgervereine feierten ihren 150. Geburtstag. Als „Lokalverein Wiehre“ von Karl Walterspiel im Jahr 1875 im „Grünen Baum“ gegründet, war dieser der erste Bürgerverein der Stadt Freiburg.

Dieses Jubiläum haben die Bürgervereine Mittel- und Unterwiehre und Oberwiehre-Waldsee-Oberau gemeinsam vorbereitet und in zahlreichen Sitzungen ein umfangreiches Jahresprogramm zusammengestellt. Eine Bilanz gleich vorneweg: Keine der geplanten Veranstaltungen musste abgesagt werden – ein Erfolg, der uns besonders freut!

Mit vielen Gästen wurde das Jubiläumsjahr am 16. Januar 2025 mit einem Festakt im Historischen Kaufhaus eröffnet und gefeiert. Ziel des Jahresprogramms war es, die Bürgerinnen und Bürger der Wiehre zusammenzuführen, die Vielseitigkeit und die reichen Ressourcen unseres Quartiers sichtbar zu machen sowie die historischen Entwicklungen und deren Einfluss auf die heutige Gestalt der Wiehre aufzuzeigen.

Den Auftakt bildete am 13. Februar 2025 in der Wodanhalle „Die Wiehre Show“. Wir erlebten einen Höhepunkt im Fest-kalender mit einem bunten Programm von Poetry Slam, Liedern rund um die Wiehre, einem Rap der „Omas gegen Rechts“ und einem freudig gefeierten Revival der kultigen „Wunderbaren Band“.

Die Wiehre ist auch eine Künstlerviertel. Im Mai zeigten 29 Künstlerinnen und Künstler in einer 30-tägigen Ausstellung ihre Werke, die zum Abschluss in einer Online-Versteigerung alle ihren Besitzer wechselten. Der Erlös ging an die Korczak-Schule, eine Einrichtung für schwerstbehinderte Kinder und Jugendliche.

Zu Pfingsten konnten wir die Urachstraße als Kunstmeile mit zwei Skulpturen wiedereröffnen. Jahrelang hatte es dort keine Präsentationen mehr gegeben. Sie haben den Sommer über viel Aufmerksamkeit gefunden und wir hoffen, dass es in Zukunft eine Fortsetzung geben wird.

Einen eindrucksvollen Blick auf den künstlerischen Reichtum der Wiehre bot Anfang Oktober der Rundgang durch die Ateliers der Ober‑, Mittel‑ und Unterwiehre – begleitet von strahlendem Sonntagswetter und vielen neugierigen Besucherinnen und Besuchern. Auch „Goethe traf Beethoven“ mit Texten und Vertonungen an einem lauen Sommerarbend im Lorettobad. Nur die „klingende Wonnhalde“ versank im Regen, wurde dank der dennoch musizierenden Musikerinnen und Musiker dann doch zum schönen Erlebnis.

Das Jahr über gab es zudem zahlreiche Veranstaltungen über das Leben in der Wiehre, ihre Geschichte, ihre bauliche Gestalt, ihre ökologischen Herausforderungen. Frau Prof. Dr. Anna Lipphardt vom Institut für Kulturanthropologie in der Maximilianstraße initiierte mit ihren Studierenden drei thematische Spaziergänge durch die Wiehre, Joachim Scheck führte kenntnisreich durch die historische Wiehre, zwei Vorträge über „Jüdisches Leben in der Wiehre“ (Andreas und Marlis Meckel) und „Der Freiburger Kreis in der Wiehre“ (Prof. Dr. Heribert Weiland) beleuchteten die dunkle Zeit des Nationalsozialismus, die auch die Wiehre erschütterte.

Am Wochenende der Zeitumstellung auf die Winterzeit kamen groß und klein beim Lichterfest im Neuen Wiehrebahnhof zusammen. Nach dem Kürbisschnitzen genoss das Publikum verschiedene köstliche, von Wiehremer Gastronomen gespendete Suppen, wählte beim Wiehre Song Contest das beste Lied und tanzte anschließend ohne Lärm zur Silent Disco.

Einen wunderbaren Eindruck unseres Stadtteils vermittelte im November der Filmabend im Koki. Gezeigt wurden der neue, meisterlich konzipierte Wiehre-Film von Stefan Ganter, zwei in der Wiehre gedrehte Kurzfilme von Maxilmilian Spohr aus den Neunzigern, eine Dokumentation über den Freiheitskämpfer Dortu von Matilda Seifert, sowie Interviews, die Stephanie Geißler mit Wiehremer Bürgerinnen und Bürgern geführt hatte.

Zum Abschluss dieses besonderen Jahres möchten wir allen Mitwirkenden nochmals sehr herzlich für ihr großes Engagement danken. Die gute Zusammenarbeit der beiden Bürgervereine hat den Zusammenhalt spürbar gestärkt. Planung und Umsetzung des Festprogramms haben uns gefordert und das ganze Jahr über beschäftigt. Belohnt wurden wir durch viele eindrucksvolle und beglückende Begegnungen. Wenn wir mit unseren zahlreichen Aktivitäten einen Beitrag zum lebendigen Miteinander in der Wiehre geleistet haben, dann war es alle Mühe wert.

Am Ende dieses Rückblickes möchten wir unseren Redner beim Festakt im Januar, Herrn Prof. Dr. Ulrich Eith, zitieren. Er sprach über bürgerschaftliches Engagement als Voraussetzung für freiheitliche Demokratie. Angesichts der Bedrohung unserer demokratischen Gemeinwesen führte er aus: „Man kann Demokratie auch schrittweise wieder verlieren. Probates Gegenmittel ist eine aktive Zivilgesellschaft.“

Dr. Gabriele Denz-Seibert und Loretta Lorenz