Überlegungen zur künftigen Nutzung der Reinhold-Schneider-Villa gehen weiter: Aus dem Schneider?
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Das Areal der Reinhold-Schneider-Villa am Fuß des Lorettobergs kommt nicht zur Ruhe. Die Pläne eines Investors, das denkmalgeschützte Areal nachzuverdichten und die Villa gesondert zu vermarkten, haben weit über die Grenzen Freiburgs hinaus für Unmut gesorgt. Ein Apell von über 130 Prominenten, die Nutzung des Ensembles neu zu überdenken, zeigt nun erste Wirkung.
Stiftung zum kulturellen Dialog?
Was könnte auf dem großzügigen Gelände entstehen? Statt hochpreisigem Wohnen schlägt eine Gruppe von Freunden des Werkes Reinhold Schneiders vor, das Haus in eine
Stiftung zum Dialog zwischen den Kulturen zu überführen. Schneider setzte sich Zeit Lebens für den Austausch der Kulturen und Religionen ein. Die Villa zu einem Ort der Begegnung und Verständigung umzuwidmen, ist daher der Vorschlag aus dem Initiativkreis um Uwe Pörksen und anderen. Die Villa könnte Künstlern und Forschern sowohl als Begegnungsstätte als auch als ein Aufenthaltsort dienen.
Gesprächsangebote und Moratorien
Der Investor, die Freiburger Treubau, will sich den Plänen nicht verschließen und hat dem Initiativkreis nicht nur ein Gesprächs-angebot, sondern auch ein Moratorium unterbreitet. Bis Ende Mai sei man, so verlautet es aus dem Initiativkreis, auf Investorenseite bereit, Vorschläge entgegenzunehmen. Doch klar ist auch: Es geht ums Geld. Um viel Geld. Das Areal ganz oder teilweise zu übernehmen, die Einrichtung einer Stiftung, Betrieb und Unterhalt – all das benötigt nicht Tausende, sondern Millionen Euro.
Mehr Zeit
Aus Sicht des Bürgervereins ist das Signal von Seiten der Treubau mehr als zu begrüßen. Endlich besteht die Chance für einen Dialog über das Gelände. Vieles ist denkbar. Allein, es fehlt die Zeit. Wenige Wochen sind zu knapp für ein tragfähiges Finanzierungs- und Stiftungsmodell. Der Bürgerverein setzt sich daher derzeit dafür ein, dass die Akteure sich mehr Zeit geben und auch die Stadt in die Nutzungskonzepte einbezogen wird.
Reinhold-Schneider-Villa für die Bürger?
Aus Sicht des Bürgervereins sollte gemeinsam mit der Stadt geprüft werden, ob das Areal für die Bürgerschaft allgemein geöffnet werden könnte. Die Wiehre braucht ein Bürgerhaus. Während andere Stadtteile ihre „Stube“ für die Bürgerschaft haben oder bekommen, geht Freiburgs größter Stadtteil weiter leer aus. Das „Schneider Areal“ ist für Freiburg und den Stadtteil zu bedeutend, um es allein den legitimen Interessen des Immobilienmarktes zu überlassen. Die öffentliche oder halböffentliche Nutzung böte einen Ausweg aus der heute misslichen Situation und wäre eine echte Perspektive.
Justus Kampp