Der Aufruf im letzten Wiehre Journal (Ausgabe 94) zur Zukunft des Gerwigplatzes hat zahlreiche Reaktionen ausgelöst und uns gezeigt, wie groß das Interesse an der Entwicklung dieses bislang eher unterschätzten Ortes ist. Seit der Einführung der Parkraumbewirtschaftung hat sich das Bild des Platzes deutlich verändert: Wo früher Wohnmobile und Dauerparker dominierten, wird in den leeren Straßen rund um den Gerwigplatz nun erstmals wieder sichtbar, welches Potenzial dieser Ort eigentlich besitzt.
Die eingesandten Leserbriefe machen deutlich, dass viele Menschen den Platz künftig stärker als Teil des Quartier-lebens verstehen möchten. Dabei reichen die Ideen von mehr Grün und Aufenthaltsqualität über Elektromobilität bis hin zu neuen Nutzungen für Handel und Familien.
Mehrfach genannt wurde der Wunsch, den heute stark versiegelten Platz teilweise zu entsiegeln und klimaangepasst umzugestalten. Vorgeschlagen wurden mehr Bäume, Sitzgelegenheiten, Blühflächen, ein Trinkbrunnen oder auch naturnahe Spielmöglichkeiten. Der Gerwigplatz könne, so mehrere Stimmen, vom reinen Parkplatz zu einem echten Treffpunkt im Viertel werden – einem „dritten Ort zwischen Wohnung und Arbeit, an dem Begegnung ohne Konsumzwang möglich ist,“ was uns die Boulespieler*innen schon länger dort vormachen.
Gleichzeitig bleibt die Mobilitätsfrage ein zentrales Thema. Während einige Einsender eine deutliche Reduzierung des Parkraums begrüßen, weisen andere sehr eindringlich auf den durch den Wegfall der Parkplätz weiterhin erhöhten Parkdruck in Mittel- und Unterwiehre hin. Entsprechend unterschiedlich fallen die Vorschläge aus: von zusätzlichen Fahrradabstellanlagen und E-Ladestationen in Reihung bis hin zur Forderung, den Platz stärker in die bestehenden Anwohnerparkzonen einzubinden.
Speziell hervorgehoben wurde auch die besondere Lage des Gerwigplatzes direkt am Neuen Wiehre Bahnhof. Zuschriften erinnerten daran, dass der Platz bis vor kurzem auch eine wichtige Funktion als Park-and-Ride-Standort für Berufs-pendler*innen aus dem Schwarzwald erfüllt habe. Durch die neue Parkregelung seien auch Pendler*innen betroffen, die auf die Kombination aus Auto und Bahn angewiesen sind. Angeregt wurde daher, künftig gezielt Pendlerparkplätze mit klareren Nachweisen oder speziellen Berechtigungen anzubieten, damit diese Funktion zumindest teilweise erhalten bleibt.
In diesem Zusammenhang wurde zudem ein alter Wunsch aus dem Stadtteil erneut aufgegriffen: die bessere Anbindung des Bahnhofs Wiehre an den öffentlichen Nahverkehr. Die Forderung nach einer stärkeren Einbindung des Bahnhofs in das innerstädtische Nahverkehrsnetz wird seit Jahren immer mal diskutiert und hat durch die aktuelle Debatte neuen Auftrieb erhalten.
Auch die wirtschaftliche und städtebauliche Entwicklung des Umfelds spielte in den Zuschriften eine Rolle. Mehrere Lese-rinnen und Leser beschrieben den Platz trotz seiner attraktiven Lage als „schlafend“ oder wenig belebt. Angeregt wurden daher neue Nutzungen auf angrenzenden Flächen – etwa Wohnungen, ein Nahversorger oder ein Kindergarten statt der nun großen leeren Parkfläche neben dem Bahnhof, um dem Platz dauerhaft mehr Frequenz und Lebendigkeit zu geben.
Die Zuschriften zeigen vor allem eines: Der Gerwigplatz wird nicht mehr nur als Abstellfläche wahrgenommen, sondern als möglicher Zukunftsort für das Quartier. Gerade deshalb könnte jetzt der richtige Zeitpunkt sein, die Diskussion zu vertiefen und konkrete nächste Schritte zu gehen:
Mitmachen erwünscht
Damit aus den vielen Ideen konkrete Perspektiven entstehen können, möchten wir prüfen, ob sich eine offene Arbeits- oder Projektgruppe „Gerwigplatz“ bilden lässt. Interessierte Anwohnerinnen und Anwohner, Gewerbetreibende, Pendle-rinnen und Pendler sowie alle, die sich für die Zukunft des Platzes engagieren möchten, sind herzlich eingeladen, sich bei uns zu melden (info@buergerverein-wiehre.de).
Die Stadt Freiburg fördert ausdrücklich Bürgerdialoge und Beteiligungsverfahren auch schon in frühen, informellen Phasen. Genau das möchten wir nun für den Gerwigplatz mit möglichst viel Unterstützer*innen einmal ausprobieren: Ideen sammeln, Prioritäten ausloten, gemeinsame Ziele formulieren und das möglichst frühzeitig zusammen mit den zuständigen Stellen der Stadt.
Loretta Lorenz