An einem sonnigen Märzvormittag betrete ich die lichten Räume des Vereins Südwind Freiburg e.V. in der Lorettostraße 42. An einem großen Holztisch sitzen zahlreiche Frauen unterschiedlichen Alters, vertieft in Gespräche. Es ist ein Raum nur für Frauen – ein geschützter Lernort, an dem sie sich unabhängig von Alter, Herkunft, Schulbildung und Religion bilden, unterstützen und gemeinsam einander mit Respekt begegnen können.
Die Frauen, alle mit Flucht- und Migrationserfahrungen, sind zwischen 25 und 60 Jahre alt. Viele von ihnen müssen mit enormen Belastungen umgehen: Traumatisierungen, gesundheitliche Herausforderungen, Care-Arbeit für ihre Familien, einen unsicheren Aufenthaltsstatus und prekäre Lebensbedingungen. Unter solchen Umständen ist gesellschaftliche Teilhabe eine große Herausforderung. Sie braucht Zeit, Unterstützung und verlässliche Strukturen.
In verschiedenen niedrigschwelligen Deutschkursen – Sprach- und Alphabetisierungskursen – lernen die Frauen, Deutsch zu sprechen, zu lesen und zu schreiben. Die alltägliche Kommunikation steht dabei im Vordergrund. Im Südwind werden keine Prüfungen abgenommen und keine Zertifikate ausgestellt; dies geschieht in weiterführenden Integrationskursen. Die Kurse finden fortlaufend statt, und jede Teilnehmerin hat die Möglichkeit, die deutsche Sprache in ihrem eigenen Tempo zu erlernen. Je nach Kapazität können die Frauen jederzeit aus- und wieder einsteigen. Dafür wird monatlich ein geringer Kostenbeitrag erhoben.
Ein besonderes Angebot ist der MIA-Kurs („Migrantinnen stark im Alltag“). Er umfasst 34 Unterrichtsstunden und behandelt Themen wie Gesundheit, Schule und Orientierung in der Stadt. Im wöchentlichen Sprachcafé wird die Sprache in entspannter Atmosphäre geübt; dabei werden Themen wie Gesundheit, Freizeit, Kultur oder aktuelle Nachrichten besprochen. Im Frühling wird ein Fahrradkurs angeboten, im Herbst ein Schwimmkurs und regelmäßig ein Yogakurs. Zudem gibt es Kooperationen mit Künstlerinnen und Künstlern. Gleichzeitig haben die Frauen selbst viele Talente und Fähigkeiten, die sie in Projekten einbringen können – etwa in einem Kunstworkshop in der Flüchtlingsunterkunft in der Merzhauserstraße. Dort können sie sich kreativ durch Textilarbeit ausdrücken, Kontakte knüpfen und Austausch erleben. Die festen Mitarbeiterinnen im Südwind leisten eine außer-ordentlich engagierte Arbeit. Unterstützt werden sie von ins-gesamt zwanzig ebenso engagierten Ehrenamtlichen. Sie bezeichnen sich selbst als „tolles Team“, sind gut vernetzt und kooperieren mit vielen Organisationen in Freiburg und darüber hinausgehenden Regionen sowie mit Ärztinnen und Anwältinnen. Allerdings bedrücken sie regelmäßig große finanzielle Sorgen. Für alle Aktionen und Projekte müssen jeweils finanzielle Mittel gefunden werden – eine mühsame und schwierige Aufgabe.
Der Verein Südwind Freiburg e.V. wurde 1976 als „Ausländerinitiative Freiburg e.V.“ gegründet und feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Der Umzug der Erwachsenen- und Kulturarbeit in die Lorettostraße erfolgte 1986. Ziel der Arbeit von Südwind e.V. ist, damals wie heute, den interkulturellen Dialog sowie den Integrationsprozess zu fördern. Toleranz, Respekt, Verständnis und Vertrauen bilden dabei die Grundlage der Arbeit.
Im Gespräch äußerten die Mitarbeiterinnen von Südwind ihre Verwunderung darüber, dass ihre Arbeit in einem so wohl-habenden Quartier wie der Wiehre nur wenig Beachtung findet. Wer diese Situation verändern möchte, hat die Möglichkeit, Mitglied im Verein Südwind Freiburg e.V. zu werden oder dessen Arbeit einmalig oder regelmäßig finanziell zu unterstützen.
Am 25. Juli 2026 wird sich das Projekt „Story Cloth – Von Stille zu Resonanz“, das durch Fairburg e.V. initiiert wurde und an dem viele Frauen aus dem Kontext von Südwind aktiv beteiligt sind, im Rahmen der Eröffnung des Sommerfestes des Kommunalen Kinos Freiburg vorstellen. Es handelt sich um eine performative Installation aus Textilkunst, Stimmen, Liedern und Erzählfragmenten – eine sommerliche Gelegenheit zum Kennenlernen. Nutzen wir sie!
Dr. Gabriele Denz-Siebert